Blog vs. Realität | Bloggen? Ist ja easy

Ach Anni du hast es so gut mit deinem Blog, du bekommst alles immer hinterher geworfen. Das muss ja so einfach sein für dich.“ Sowas durfte ich mir in meinen bloggenden Jahren schon sehr oft anhören. Und heute räume ich im Rahmen von Sissys Blogparade damit auf. Heute kommen die Fakten auf den Tisch. Der Blog im Realitätscheck

blogvsrealität_02Viele denken immer wieder dass man bloggt und sich das irgendwie alles von alleine regelt. Alles ist einfach und am Ende des Tages stehen 5 Päckchen mit PR-Samples vor der Tür, die Reichweite springt plötzlich von 0 auf 100 . Abrakadabra und so einfach ist man „erfolgreicher Blogger“. Pustekuchen, dahinter steckt knüppelharte Arbeit. Bloggen ist einfach Arbeit und ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Da ich meinen Blog liebe, ist das ein Aufwand denn ich gerne auf mich nehme. Mein Blog ist eine der wichtigsten Dinge in meinem Leben, und er ist mir jede Mühe wert. Trotzdem muss ich nun mal mit den gängigsten Klischees aufräumen. Weil ganz ehrlich: Ich kann vieles davon einfach nicht mehr hören.

Eines der schlimmsten Klischees ist für mich tatsächlich, dass Bloggen ja sehr einfach und mal so gar nicht zeitaufwendig wäre. Und das stört mich sehr. Ich rechne das jetzt mal durch.  Ich habe einen normalen 40 Stunden Job. Um 17 Uhr habe ich Feierabend, Freitags schon um 15 Uhr. Mit diesem Job bezahle ich meine Rechnungen. Um 17 Uhr fahre ich los und bin dann zwischen 17:30 und 18:00 Uhr daheim. Abhängig davon ob ich noch einen Termin habe, einkaufen gehen muss oder Sonstiges dazwischen kommt. Abends wartet dann noch die Hausarbeit auf mich und mein Sportprogramm an dem ich eisern festhalte. Gesundheit geht schließlich vor. Trotzdem setze ich mich jeden Abend noch vor den Laptop und verbreite den aktuellen Blogpost. Das bedeutet einfach bei anderen Bloggern kommentieren und auch das Sharen auf diversen Social Media Plattformen. Auch werden Emails beantwortet, Bloggerkontakte gepflegt und E-Mails an Agenturen und Kooperationspartner geschrieben. (muss man ja auch, sonst bekommt man – wie sagt man immer über uns Blogger- nichts mehr hinterhergeworfen). Solche Email-Gespräche mit potentiellen Kooperationspartnern können sich ja dabei auch schonmal über einen längeren Zeitraum hinweg ziehen. Und dann kann es sein, dass von 3 aussichtsreichen Kooperationen auch nur eine zu Stande kommt. Was natürlich immer sehr schade ist. Und wie ihr seht unter der Woche komme ich dabei noch gar nicht zum bloggen, es entstehen höchstens mal einzelne Textschnippsel.

blogvsrealität_03Good Things come to those, who work their ass of

Der eigentliche Blog frisst mein ganzes Wochenende auf. Da sind Freunde, die es verstehen wenn man sagt „Ich komme etwas später, ich muss noch Bilder bearbeiten“ Gold wert. Durch einen Vollzeitjob, der mit sehr vielen Messebesuchen verbunden ist, muss ich meine Blogbeiträge mindestens eine Woche im Voraus vorbereitet haben, perfekt wären sogar zwei Wochen.Das bedeutet, dass ich zu jedem Zeitpunkt wissen sollte, was ich zu welcher Zeit und an welchem Tag online stellen möchte. Die Bilder und die Bearbeitung der Bilder nimmt oft meinen ganzen Samstag in Anspruch. Produkte drapieren, die Dekoration schön aufstellen und dann fotografieren. Produktpostings sind dabei immer am angenehmsten. Wenn ich ein Rezept poste, ist die Vorbereitung -auf gut deutsch das Kochen – natürlich sehr viel länger. Dasselbe zählt bei Make Up Looks oder Outfitpostings. Damit ich hier Bilder machen kann, muss ich mich ja selber noch herrichten und eine Location suchen. Und dabei kämpfe ich immer wieder gegen schlechtes Licht und den Sonnenuntergang. Ansonsten ist es schnell zu dunkel für gute Bilder und ich muss improvisieren.

blogvsrealität_01Am Sonntag folgen dann die Texte für die Bilder. Und vor 18 Uhr habe ich da natürlich auch keinen Feierabend. Und bei dieser Schilderung gehe ich davon aus, dass alles so läuft wie geplant. Ich hatte auch schon das Problem, dass ein DIY für eine fertige Blogparade am Tag zuvor einfach in sich zusammengebrochen ist und ich komplett ohne Beitrag da saß. Oder dass ich 99% der Outfitbilder in die Tonne klopfen konnte, weil ich einfach einen unfotogenen Tag hatte.
Dazu kommen natürlich noch weitere Faktoren. Wenn ich mein Design ändern möchte, bedarf dass gerne mal einer penibel durchgeplanten Nachtschicht. Suchmaschinenoptimierung und die stetige Pflege meiner Social Media Kanäle werden ebenso in den Alltag gequetscht “Hey Anni, jetzt leg doch mal das Handy weg”. Und wenn ich dann wirklich mal das Glück habe, mal wieder auf ein Event gehen zu dürfen, ist das Event entgegen aller Erwartungen kein feiner Wellnessurlaub. Sondern ein zeitintensiver Tag, der mit großer Nachbereitung verbunden ist.

blogvsrealität_04Freizeit? Kenn ich nicht – klingt aber spannend

Ihr seht, so einfach und schön die Vorzüge des Bloggens nach außen auch wirken, es gibt auch negative Aspekte. Alles ist mit Arbeit und verdammt engem Zeitmanagement verknüpft. Trotzdem würde ich nicht darauf verzichten wollen. Für mich ist mein Blog soviel: Spaß, finanzielle Absicherung und eine Möglichkeit viele neue Dinge und auch Personen kennen zu lernen.

Ich und mein Blog haben sich super eingespielt. Aber dieser Beitrag soll vorallem Anfängern, die denken nach drei Beiträgen kommt er große Erfolg, die Augen öffnen. Denn so ist es wirklich nicht. Das Bloggen hat auch Schattenseiten. In meinem Fall ist es der Verzicht auf Wochenenden.
Blog vs. Realität Blogparade:
01.02.2016: Modern Snowwhite  02.02.2016: Freaky like Gnui
03.02.2016: Sulfur and Cookies  04.02.2016: Lady Musja
05.02.2016: Generation Couture   06.02.2016: Obstgartentorte
07.02.2016: Lindchens World  08.02.2016: Cheana
09.02.2016: Moppis Blog  10.02.2016: She and her blog
11.02.2016: Schminktussis Welt  12.02.2016: Freakin Minds
13.02.3016: Missys Wahnsinn  14.02.2016: Danis Beautyblog
15.02.2016: Hydrogenperoxid  16.02.2016: Step to milkyway
17.02.2016: Miss Xtravaganz  18.02.2016: Stealmetics

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15 Kommentare

  1. 15. Februar 2016 / 10:36

    Sehr schön geschrieben und das trifft es wirklich auf den Punkt. Ich nehme diese Zeit auch sehr gerne für den Blog auf, aber es ist natürlich schade, wenn andere diesen Aufwand nicht wertschätzen, also wie in deinem Fall, dass sie dir erzählen alles ist ja easy und flott gemacht. Bei uns zuhause ist es immer super, dass mein Freund so gerne Playstation spielt 😀 so kann ich in der Zeit in Ruhe meinen Blogkram machen ohne, dass es ihn irgendwie stören würde etc.

  2. 15. Februar 2016 / 13:42

    Super Beitrag! Da stimme ich dir zu 100% zu! Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis stellen sich das Bloggen auch immer viele als super easy vor. Die meisten denken, dass ich eine Review in ner halben Stunde abgetippt habe und die PR Samples in Massen vor der Tür stehen. So ist es aber ganz und gar nicht. Wenn man so will ist ein Blog – zumindest wenn man intensiv bloggt – nochmals ein Halbtagsjob. Dass da sehr viel Zeit, Geduld UND GELD dahinter steckt ist den meisten nicht klar.

    Liebe Grüße
    Ramona

  3. 15. Februar 2016 / 14:47

    Oh also ich bin da ganz bei dir! Wie oft ich mir anhören durfte “Oh du hast aber auch immer ein Glück das Loreal dir was zuschickt” Nein! Das ist kein Glück sondern Arbeit! Meistens verstehen das meine Freundinnen dann doch nicht so ganz . Und bis man erst jemanden gefunden hat der auf den Auslöser drückt für die Outfits vergehen auch schonmal Tage. Dann müssen schonmal 3-4 Outfits an einem Tag fotografiert werden und wenn man nicht so offen ist und sich draußen umziehen will muss dazwischen auch immer noch eine Umkleidekabine gebaut oder gefunden werden! Ohje…

  4. 15. Februar 2016 / 18:16

    Mmh, Dein Blogpost hat mich während des Lesens etwas nachdenklich gemacht. Ich bin nur eine kleine Bloggerin, aber auch bei mir gehen schon mal 2-3 Stunden für einen Post drauf. Wäre ich nicht blitzschnell im Schreiben, sicher noch länger, aber da kommt mir mein Job zugute ^^.

    Ich sage ehrlich, dass ich nicht bereit wäre, mein komplettes Wochenende für den Blog zu opfern, egal, ob ich damit Erfolg habe oder rein zur Freizeit (wie aktuell). Spätestens, wenn Freude dafür das Nachsehen hätten, wäre meine Schmerzgrenze erreicht und ein realer Mensch ist mir dann doch wichtiger als ein Blogposting für eine Internet-Community. Aber, das muss natürlich jeder selbst wissen. Mir fiel die Entscheidung diesbezüglich auch immer leicht, da ich einige zeitintensive Hobbies habe und einfach das mache, worauf ich gerade Lust habe. LG

  5. 15. Februar 2016 / 19:13

    Toll geschrieben, es ist wirklich sehr viel Arbeit, daher geben wohl auch viele auf, die das ganze nur so halbherzig beginnen, da trennt sich der Spreu vom Weizen. Ich arbeite seit 2 – 3 Wochen intensiv an meinem Blog usw. da ich Semesterferien habe. Für danach muss ich mir auch was einfallen lassen bzgl. planen usw.

    Liebe Grüsse

    flowery

  6. 15. Februar 2016 / 22:51

    So ähnlich sieht mein Alltag auch aus, 40 Stunden Job und das Wochenende ist für den Blog verplant. Da bin ich dann auch ganz froh, wenn unter der Woche und am Wochenende mal keine weiteren Termine anstehen. Dazu jeden Tag das Checken der Social Media Kanäle, E-Mails, bei anderen Kommentieren…da sind die Tage lang. Aber wie du sagst, die Möglichkeiten, die durch das Bloggen sind ebenso groß wie eben der Aufwand dafür.

    Viele liebe Grüße
    Stephie

  7. 16. Februar 2016 / 16:24

    Ein wirklich guter Beitrag! Wenn man zusätzlich noch andere Hobbies und Freund/Mann hat, vielleicht auch gerne mal weg geht und was mit Freunden unternimmt, wird es noch schwieriger, Blogposts fertig zu stellen. Bei einigen frage ich mich wirklich, wie sie es mit Vollzeit-Job, Freunden, Familie und Sport schaffen, täglich Beiträge zu veröffentlichen. Ich habe für mich immer noch nicht den perfekten Rhythmus gefunden, alles unter einen Hut zu bekommen…obwohl ich auch schon über 5 Jahre blogge. 😀

  8. 16. Februar 2016 / 20:03

    Dankeee !!! Dass endlich mal jemand Klartext schreibt :p Stimme dir zu 150% zu, ein Blog ist so ziemlich das zeitaufwändigste Hobby, das man haben kann, aber dennoch macht es Spaß ! :>
    liebste grüße
    josi ;*
    http://www.josiiffashion.blogspot.de

  9. 17. Februar 2016 / 7:55

    Wenn ich deinen Post lese frage ich mich schon, wie schafft die das alles? Du steckst wahnsinnig viel Arbeit in dein Baby und ich hoffe sehr, dass du auch mal ein faules Wochenende haben kannst oder einfach nur mal auf dem Sofa am Abend lümmelst. Ich bin froh, wenn wieder Sommer ist und sich ein Teil der Blogarbeit, gerade da Fotografieren, auch wieder unter der Woche erledigen lässt. Jedes Wochenende sitze ich nicht am Laptop, spontan vielleicht aber nicht unbedingt immer geplant. Wie viel Zeit und Mühe man investieren will, das liegt bei jedem selbst. Für mich ist es ein tolles Hobby. Mir würde aber nie einfallen, jemandem zu unterstellen, dass es ja so easy ist und er einfach nur mit Goddies überhäuft wird. Wenn man selbst bloggt, dann weiß man über die Arbeit im Hintergrund. Wer es nicht weiß, der bildet sich halt seine Meinung und über die sollte man sich, wenn sie wie am Anfang beschrieben ausfällt, einfach nicht aufregen. Ich hänge den Blog noch immer nicht an die große Glocke, daher bleibt mir sowas bisher gut erspart 🙂 Und auch wenn nicht, dann würde ich einfach drüber stehen.

  10. 17. Februar 2016 / 12:46

    Ich finde es toll, dass du mal mit diesem Klischee aufräumst, denn ein Blog ist Arbeit und ich glaube das wird auch jeder Blogger so unterschreiben. Natürlich ist es angenehme Arbeit und etwas was man gern tut, aber es frisst nunmal Zeit und man benötigt ein gutes Zeitmanagement. Mittlerweile stress ich mich nicht mehr all zu sehr rein, wenn ich mal längere Zeit keinen Outfitpost mehr online bringen kann. Da spielen einfach viele Faktoren eine Rolle, wenn das Wetter nicht mitspielt, ich zu viel Stress habe etc. dann gibt es halt mal eine kleine Pause, dafür in anderen Monaten auch wieder mehr Bilder mit schönen Outfits. Bisher hatte da auch immer jeder Verständnis für. Ich möchte mir hier einfach den Spaß erhalten.

    Was Kooperationen anbelangt gebe ich dir recht, da kommen die wenigsten wirklich zustande. Bei mir scheitert es meistens daran, dass ich nun mal nur No Follow Links anbiete und mich hier an die Google Richtlinie halte.

  11. 18. Februar 2016 / 21:04

    Hallo! Das hast Du gut geschrieben. Da habe ich aber mal eine Frage wegen Kooperationen. Ich wurde jetzt ja noch nie angefragt, gib mir mal bitte Tipps wie man sowas schreiben sollte. Da kenne ich mich ja nun nicht so aus, was man den Firmen schreiben sollte und was eher nicht. Es ist gut wenn man mal schreibt, dass es eher nicht immer easypeasy ist….. super
    Lieben Gruß Caro

    • Anni Hydrogenperoxid
      Autor
      19. Februar 2016 / 18:59

      Hey,
      Ich persönlich schreibe die Firmen manchmal ja auch direkt an. Ich schildere Ihnen kurz was ich möchte (–> Kooperation), hebe den Mehrwert hervor, denn sie durch eine Kooperation mit mir haben (–> guter Text, Bilder und auch die Statistik anhängen) und schlage ihnen auch schonmal vor wie die Kooperation aussehen könnte 🙂

  12. 21. Februar 2016 / 18:28

    Schön geschrieben! 🙂
    Im Grunde muss jeder selbst wissen, wie er seinen Blog führt – aber Kommentare von Leuten, die einfach nicht in der Materie drin stecken, sind immer nervig! (Finde auch diese Klugscheißer-Kommentare bezüglich Studenten á la “Ach ja, so als Student hat man es ja auch leicht. Den ganzen Tag nichts zu tun, kaum Unterricht in der Woche und dann auch noch monatelang Semesterferien!” Da kriege ich auch echt zu viel!)

    Natürlich ist der Blog mit Aufwand und Arbeit verbunden, wer das nicht einsieht hat einfach kein Vorstellungsvermögen!
    Jeder muss wissen, wie er seinen eigenen Blog gerne führen möchte – wenn ich bspw. mal keine Zeit habe (weil ich unterwegs bin, meine Familie in den Ferien besuche oder dergleichen) dann liegt der Blog auch mal eine Woche oder anderthalb Wochen lang brach. So durchgetaktet wie du bin ich (noch) nicht. 😀

    Hauptsache ist nur, dass einem der Spaßfaktor nicht abhanden kommt und man nicht das Gefühl haben sollte, dass man zu gestresst oder zu gezwungen ist, zu bloggen. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache.

    Liebe Grüße
    Moony

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