But in the end, it doesn’t even matter

Eigentlich sollte hier ein schöner Travel Beitrag über Kopenhagen erscheinen, aber wie soll ich einen Friede, Freude, Eierkuchen Beitrag veröffentlichen, wenn ich gestern – wie viele andere – einen Teil meiner Jugend verloren habe?

I can’t seem to find myself again

Promi Tode berühren mich selten, aber ich nehme sie ernst. Es sind Personen, wie du und ich, die plötzlich weg sind und nicht nur Familien hinterlassen sondern auch Millionen von Fans, für die diese Person vielleicht die Welt bedeutet hat. Gestern musste ich merken, wie es ist einen Star zu verlieren, der einem irgendwie mehr als nur wichtig war. Und wisst ihr was? Das ist richtig scheiße. Und ich glaube, gestern und heute geht es sehr vielen Menschen so wie mir in diesem Moment.

Als ich 11 oder 12 Jahre alt war und Musikfernsehen noch Musik gezeigt hat und umsonst war, hörte ich noch den klassischen Pop. Britney, Backstreet Boy und Christina. Wirklich gemocht habe ich diese Musik nicht, aber meine ältere Cousine hat sie gehört, also habe ich sie auch gehört. Das macht man so als Kind.
Aber als ich eines Mittags wieder  MTV einschaltete und Markus Kafka wieder Musik ankündigte, saß ich gebannt vor dem TV als das dunkle grünstichtige Musikvideo von One step closer über die Röhre flimmerte.  Solche Musik hatte ich noch nie gehört und ich fand es irritierend, dass es mir viel besser gefiel, als die Musik von der ich bisher dachte, dass es meine Lieblingsmusik wäre. Ab diesem Moment rannte ich immer sofort los, wenn ich in einem anderem Zimmer war, aber die Anfangstöne von One step closer hörte. Kurz danach stieß ich auf Crawling und Papercut, auch diese Songs nahm ich auf, als gäbe es keine andere Musik mehr.

Das Problem war, dass wie zu diesem Zeitpunkt noch keinen internetfähigen Rechner hatten und meine Eltern mir nicht genug Taschengeld gaben, damit ich mir Hybrid Theory kaufen hätte können. Also musste ich mich mit MTV zufrieden geben.

Become so tired so much more aware

Das war für mich der Anfang, ich habe realisiert dass Pop gar nicht meine Musik ist, sondern dass ich alternative Bands viel besser finde. Linkin Park haben mir die jungen Augen geöffnet und kurz danach reihten sich ganz andere Bands zu meinen Lieblingsbands ein: Korn, Papa Roach, Slipknot, Sum 41, etc. Genretechnisch mögen sich diese Bands alle unterscheiden, aber sie gehören alle in die alternative Schiene, die sich für mich dank Linkin Park geöffnet hat. Danke dafür.

Aber Chester verdanke ich nicht nur meinen überaus großartigen Musikgeschmack, sondern auch die Tatsache, dass sie den Soundtrack meiner Jugend geschrieben haben. Auf den ersten Blick mag ich aus einer behüteten Familie gekommen sein, dass heißt nicht, dass ich keine Probleme hatte. Mir ging es oft schlecht und ich wusste oft nicht mehr wohin mit mir. Ich war mir bei absolut nichts mehr sicher wenn es um mein Leben ging, in dieser Zeit habe ich Songs wie Numb, Crawling, In the end, my december  und Pushing me away in Dauerschleife gehört. Diese Songs haben mir geholfen. Diese Songs haben mich beim Überleben geholfen und mich gerettet. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich gestern einfach nur heulend in meinem Bett lag, weil ein Teil meiner Jugend von uns gegangen ist. Das erste Mal verstehe ich den Schmerz, wenn man jemanden verliert, den man gar nicht persönlich kennt, aber dessen Werk einen riesigen Impact auf das eigene Leben hat. Es tut einfach mal richtig verdammt weh. Trotzdem bin ich so dankbar für alles was Chester für mich getan hat.

I tried so hard and got so far
But in the end, it doesn’t even matter

Der gestrige Tag hat uns wieder gezeigt, dass Depressionen, psychische Krankheiten und Sucht , nur weil sie nicht – wie ein gebrochenes Bein – auf den ersten Blick sichtbar sind, durchaus reale Krankheiten sind.

Depressionen sind blind, sie sehen nicht ob du eine liebevolle Familie, Erfolg, Freunde oder Reichtum hast. Das ist ihnen egal. Wenn sie beschließen, dass sie dich wollen, dann holen sie dich unabhängig von deinem, vielleicht nach außen hin, perfekten Leben. Die Depression macht uns gleich, sie kann jeden treffen und jeden zu Fall bringen.

Das ist etwas, dass wir alle realisieren müssen und dass wir auch endlich ernst nehmen müssen. Robin Williams, Chris Cornell und jetzt auch noch Chester Bennington, das sollte uns allen zeigen, dass eine Krankheit, nur weil sie vielleicht in unserem Kopf passiert, nicht weniger real ist, als alles andere. #notjustsad

 

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7 Kommentare

  1. 21. Juli 2017 / 23:11

    Besonders bei den ersten Zeilen sprichst du mir aus der Seele. Mit Linkin Park fing alles an und zog sich dann mit Korn, slipknot etc weiter. Haben nur wenige bei mir verstanden und mir zugetraut, aber die die das mit mir geteilt haben sind bis heute die treusten Freunde. Ich war extrem bestürzt als ich von Chesters Tod gehört habe und konnte es kaum glauben. Ein Teil meiner Jugend ist gegangen, ohne ihn persönlich zukennen, verrückt…. das ist jetz ein sehr langer Kommentar geworden… 🙂
    Auf jeden Fall ganz liebe Grüße!
    Mona

  2. 22. Juli 2017 / 10:27

    Hallo Anni,
    Musik ist im Leben oft der Schlüssel, der Türen zu einer anderen Welt öffnet. Sie kann helfen, Trauer hinter sich zu lassen oder einfach glücklich machen. Wenn man selber Musik machen kann, ist es umso besser! Das hat mir in vielen Situationen in meinem Leben sehr geholfen.
    Ganz schöner Beitrag.
    Liebst
    http://www.instylequeen.de/

  3. 22. Juli 2017 / 11:37

    Ich war auch wirklich betroffen, als ich die Nachricht mitbekommen habe. Ich war zwar nie aktiv ein Fan der Band, mochte die Musik aber trotzdem gern und fand gerade Chester Bennigton sehr sympathisch: Vor allem natürlich die Umstände des Todes machen besonders betroffen und nachdenklich. Ich finde du hast tolle Worte gefunden!

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

  4. 23. Juli 2017 / 11:54

    Ich bin immernoch absolut sprachlos. Ich kann mir nicht mal deinen Text komplett durchlesen, ohne dass mir die Tränen kommen. Er hat meine Kindheit geprägt, meine Jugend, war ein herausragender Sänger, ein Idol für viele, viele. Seine Musik und Texte haben berührt, gingen unter die Haut und haben vielen Menschen, wie auch mir aus der Seele gesprochen.
    Es ist schlimm, was solch eine Krankheit anrichten kann. Und es zeigt wieder, wie wir alle aufeinander achten sollen, unabhängig davon, wie „prominent“ jemand doch ist.

    Liebe Grüße,
    Jenny
    http://www.imaginary-lights.net/

  5. 25. Juli 2017 / 14:34

    Ich hatte am Anfang wirklich gehofft, dass es sich bei der Meldung um einen Fake handelt. Das gibt es ja auch öfter, aber als mir dann bewusst wurde, dass sie wahr ist, war ich auch schockiert und voll Trauer. Genauso wie du habe ich Linkin Park schon in meiner Jugend und Kindheit gehört, was vor allem an den unglaublichen Texten lag, wo man das Gefühl hatte, dass sie einem aus der Seele sprechen und war auch so voller Freude, als es kürzlich das neue Album gab. Seitdem laufen auch hier die Songs rauf und runter. Dass es nun keine Musik von Chester mehr geben wird, kann ich immer noch nicht glauben.

    Bisher ging es mir ja wie dir. Ich habe solche Tode immer registiert, aber das war es dann auch. Jetzt geht er mir auch Nahe und ich fühle wirklich mit all den Fans und den Angehörigen. Das er den Kampf letzten Endes verloren hat ist schade, aber es zeigt auch, dass (wie du schon geschrieben hast) wir Depressionen endlich erst nehmen müssen und sie kein Tabuthema mehr sein dürfen, welches ja leider auch immer noch gerne belächelt wird. Es ist eine ernstzunehmende Krankheit über die wir endlich mehr reden müssen. Niemand sollte sich schämen müssen, weil er Hilfe braucht oder es zwanghaft versuchen zu verheimlichen. Sucht euch Hilfe. Es gibt sehr viele stellen an die ihr euch wenden könnt.

    Danke auch für dein liebes Kommentar.
    Undbedingt, vor allem da Versailles nicht so anspruchsvoll und langatmig wie manch andere Genrevertreter ist. Die Serie unterhält unglaublich gut und es gibt auch vieles, worüber man schmunzeln kann. Man kann die echt sehr gut in einem Schwung schauen und das habe ich bei solchen Serien eher selten. Auch GoT wird mir beispielsweise irgendann zu anstregend, wenn ich dann zu viele Folgen am Stück schaue. Versailles ist da angenehm anders.

  6. 28. Juli 2017 / 14:07

    Die Tode der Stars sind nur die Spitze des Eisberges. Tausende Menschen nehmen sich auf unterschiedliche Weise das Leben, sei es aufgrund von Depressionen oder anderen psychischen Krankheiten. Die Tabuisierung muss ein Ende haben und ein Fokus muss auf psychische Probleme und deren Prävention auch in den Medien gesetzt werden.

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