Privatnachrichten aus der Hölle

Im Vergleich zu früher gehe ich heute extrem gerne weg. Ich bin eigentlich jedes Wochenende mit Freunden unterwegs, in der Stadt und wir Betreiben Barhopping. Unter der Woche bin ich oft auf Studentenparties anzutreffen. Ich gehe wieder häufiger raus und genieße diese Zeit sehr. Das muss man ja auch, so lange man noch studiert und solche Freiheiten hat.

Was mir an solchen Abenden besonders gut gefällt, ist dass man neue Leute kennenlernt. Vor jeder Party glühen wir bei Freunden vor, jeder bringt seine Freunde mit und am Ende sind wir ein bunter Haufen Menschen, der sich untereinander nicht immer kennt. Ich liebe es neue Leute kennen zu lernen, miteinander zu sprechen und Spaß zu haben. Dasselbe auch auf der Party oder in einer Bar selbst.

Ist da noch frei?

Man verliert seine Freunde im Gemenge und stellt sich an der Bar einfach zu einer anderen Gruppe und beginnt ein Gespräch. Ganz ungezwungen und offen. Oder man setzt sich einfach zu einer noch unbekannten Gruppe, weil es einfach in der Bar zu voll ist. Solche Aktionen können teilweise die besten Abende einläuten. Ein bisschen Spontanität hat bekanntlich noch niemandem geschadet. Am Ende des Abends hat man neue Bekannte, neue Handynummern und kann neue Freundschaften knüpfen. Genauso stelle ich mir einen tollen Ausgehabend vor.

Oft sind es eher Frauen mit denen wir dann kichernd am Tisch sitzen und unabsichtlichen einen Mädelsabend haben, obwohl wir uns erst vor fünf Minuten kennengelernt haben. Aber natürlich auch Männer, hin und wieder werde sogar ich Angegraben obwohl ich in einer Beziehung bin, soll ja vorkommen. Ich bin dann ein sehr offener Mensch und sage sofort, dass ich Vergeben bin. In 99% der Fälle zucken die Männer mit den Schultern sagen in Ordnung und wir haben trotzdem einen tollen Abend, der auf genialen Gesprächen basiert (Natürlich gibt es auch das 1% Prozent, über die ich schonmal berichtet habe in „What about no). Die negativen Erfahrungen kann ich zum Glück an einer Hand abzählen und bin daher nach wie vor sehr offen, wenn ich unterwegs bin. Vielleicht liegt es einfach daran, dass viele Menschen sich in der direkten Gegenwart nach wie vor an gesellschaftliche Normen halten, die ich doch sehr schätze. Vor allem, wenn ich dann am nächsten Tag wieder online gehe und mich nur noch wundern möchte…

Verbalte Filter gibt es online nicht

Diese ganze Zurückhaltung, die man im realen Leben auf der Straße entgegen gebracht bekommt, scheint in der Online Welt nicht mehr zu existieren. Als hätte jemand den verbalen Filter gelöscht. Ich dachte so etwas passiert einem nur bei Tinder oder Lovoo, aber falsch gedacht, solche Nachrichten fluten auch mein Facebook Postfach oder tauchen besonders oft auf Plattformen auf, bei denen ich mich jedes halbe Jahr mal einlogge um alte Bilder anzusehen. Ich bin gefühlt 10 Minuten online und würde am liebsten alles und jeden blockieren. Mir ist klar, dass wir in einer modernen Gesellschaft leben und man eher selten noch mit Knicks zum Tanzen aufgefordert wird, aber ein bisschen Manieren darf man doch auch Online erwarten, oder etwas nicht?

Mr. Right? Eher Mr. Wrong

Da kommen Nachrichten in denen direkt Handynummer und Adresse des Empfängers stehen, als gäbe es gar nicht die Möglichkeit, dass ich eventuell Nein sagen könnte. Man wird gefragt ob man mit seinem Körper Geld verdienen will, ob man Geldsklaven benötigt oder ob man eventuell darüber nachdenken könnte, sich auf deren Gesicht zu setzen. Meine Antworten sind meistens eine gewisse Bandbreite und Variationen aus verschiedenen Neins. Wobei ich mir auch nicht vorstellen kann, dass irgendeine Person da draußen bei solchen Nachrichten euphorisch aufspringt und sich denkt „Das ist er! Das ist Mr. Right„. Auf jeden Fall kenne ich niemanden, aber ich lasse mich gerne eines besseren Belehren.

Genau solche Nachrichten nehmen mir Tag für Tag den Spaß an Social Media, vor allem seit solche Nachrichten auch auf Instagram eintrudeln und manchmal auch ein Bild dabei ist um zu beweisen, dass der Sender tatsächlich einen Penis hat. Diese Nachrichten machen bei mir nur eins, sie schrecken mich ab und oft merke ich im Alltag wie meine eigene Haltung gegenüber manchen Männern, die mir gar nichts getan haben, feindselig wird. Daher bin ich immer froh, wenn mir beim Ausgehen das Gegenteil bewiesen wird, wie oben beschrieben.

Ich kann echt nur an jeden da draußen Appellieren: Lasst diesen Scheiß! Niemand will eure sexuellen Neigungen in der ersten Nachricht erfahren, niemand will ein Bild eures Gemächts und niemand will als Schlampe beschimpft werden, nachdem man Nein gesagt hat.

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12 Kommentare

  1. 24. November 2017 / 17:44

    Ich gehe nie weg und kann daher leider nicht so recht mitreden, aber ich stelle es mir super unangenehm vor, solche Nachrichten zu bekommen. 🙁
    Herzliche Grüße,
    Marie

  2. 24. November 2017 / 17:56

    Früher bin ich sehr viel unterwegs gewesen, in den letzten Jahren ist das aber sehr viel weniger geworden und es reizt mich auch nicht mehr. Solche Nachrichten habe ich zwar noch nicht bekommen, aber sie sind einfach nur unnötig!

    Alles Liebe,
    Verena
    whoismocca.com

  3. 24. November 2017 / 18:00

    Ich glaube, das mit dem Beschimpfen bezeichnet man in englisch als „Negging“. Soll wohl einer der Taktiken sein, die in „Aufreis-Büchern“ empfohlen wird. Das Selbstvertrauen verletzen und dann trösten. Wirklich nicht nett. Ich denke an dieser Stelle ist wahrscheinlich die Person zu ignorieren wirklich das beste, schreibt man zurück hat man bereits verloren.

  4. 24. November 2017 / 18:26

    Krass was Du da teilweise so schilderst. Obwohl ich noch „jung“ bin gehe ich nicht häufig weg. In meinen Teenagerjahren war ich fast jedes Wochenende auf eine anderen Party und da gab es auch teilweise kuriose Momente, allerdings hielt sich das noch in Grenzen. :/

    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende. ♥

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  5. 24. November 2017 / 19:06

    Ich war auch schon ewiiiiig nicht mehr weg. Jetzt habe ich aber richtig Lust dazu bekommen. Gerade lässt es der Unistress nicht zu – aber vielleicht ja um die Weihnachtszeit mal 🙂
    Und ja, die digitalen Spackos gehören gründlich von Mutti ausgeschimpft…
    Lieben Gruß
    Jil

  6. 24. November 2017 / 22:09

    Die Partyabende in der Studentenzeitung, wie du sie hier beschreibst, kenne ich auch noch gut. Das hat früher wirklich immer viel spass gemacht!

    Derartige Nachrichten zu bekommen hingegen ist unter aller Kanone. Ich weiß nicht was in den Köpfen dieser Leute vorgeht…

    Liebe Grüße
    Birgit

  7. 25. November 2017 / 0:27

    Liebe Anni,

    … mir ist das zum Glück noch nie passiert – ich bin wohl mittlerweile zu alt und nicht mehr die „Zielgruppe“ ;-)… klingt wirklich schlimm! Aber leider haben manche Menschen in der virtuellen Welt einfach keine Hemmungen mehr. Traurig ist das!

    Liebe Grüße
    Verena

  8. 25. November 2017 / 8:37

    Ich habe das schon von so vielen gehört, ich selbst blieb zum Glück immer verschont. Kann mir total vorstellen, dass man da keine Lust mehr auf Social Media hat… Einige verlieren echt alle Hemmungen. 🙁

    Hab ein schönes Wochenende!
    Liebe Grüße

  9. 25. November 2017 / 13:35

    Sehr schöner Beitrag!
    Ich liebe es auch letzter Zeit immer auf Achse zu sein 🙂 Da ich etwas weit von meiner Uni wohne (und pendle), war ich bisher noch auf keiner Party aber das ändert sich hoffentlich bald. Auch finde ich es toll, dass es noch andere Menschen gibt, die ausgehen um Freunde und interessante Leute kennen zu lernen und nicht jemanden aufzuzeisen!
    Habe auch schon ab und an erlebt, dass viele einfach kein Nein akzeptieren aber Gott sei Dank ist es wie bei dir: an einer Hand ab zu zählen.

    Ich fände es klasse, wenn die Herren in unserer Gesellschaft noch uns wie in den alten Zeiten zum Tanz auffordern würden 😛

    Liebe Grüße

    Alisia

  10. 25. November 2017 / 14:57

    Ich bekomme zum Glück weniger private Schundnachrichten, aber auf Grund meines Berufs glaubt auch viel zu viele Mädels mir Fotos von sich schicken zu müssen. Weil ich sie doch irgendwann mal fotografieren könnte…
    Das kann schon auch mal anstrengend sein. Vor allem, wenn die dann trotz freundlicher Absage (ich antworte dann meistens mit der Tatsache, dass ich nur mit Models aus Agenturen arbeiten kann) angepisst sind… ^.^
    Man bekommt schon sehr viel Unsinn geschickt.

  11. 26. November 2017 / 12:08

    ich mach mir aus sowas manchmal gerne einen Spaß – einmal hatte einer nach Bildern von Füßen gefragt und dann hab ich einfach fotos aus dem Internet mit ganz haarigen Füßen zurückgeschickt XD

  12. 28. November 2017 / 11:01

    Dass Instagram mittlerweile auch zu einer Datingplattform geworden ist, ist mir recht schnell aufgefallen. ^^ Da stelle ich mir manchmal die Frage: schauen die sich das Profil eigentlich auch kurz an, bevor die etwas schreiben? Innerhalb der ersten 6 Fotos von mir ist zum Beispiel ein Foto bei, wo ich unübersehbar einen Partner habe… warum also schreiben die mich trotzdem mit entsprechendem Inhalt an??? ^^ Muss man nicht verstehen. ^^

    Liebe Grüße,
    Tani

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