Rezension: Asking for it | Louise O’Neill

Es wird wieder Zeit für eine Buchrezension und es hat schon wieder ein englisches Buch getroffen, dass soweit ich weiß, noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Allerdings solltet ihr euch davon nicht abschrecken lassen, den „Asking for it“ kann man auch mit schwächeren Englisch Kenntnissen lesen.

TAsking for it Buchrezensionitel: Asking for it
Autor: Louise O’Neill
Verlag
: Quercus
Veröffentlicht: 2015 (engl.)
Seitenzahl: 340 Seiten

 

 

Offizieller Klappentext:

„They’re good boys really. This all just got out of hand“ It’s the beginning of summer, and Emma O’Donovan is eighteen years old, beautiful, happy and confident

One night, there’s a party. Everyone is there. All eyes are on Emma. The next day, she wakes on the front porch of her house. She doesn’t know how she got there. She doesn’t know how why she’s in pain. But everyone else does. Photographs taken at the party show – in great detail – exactly what happened to Emma that night. But sometimes people don’t want to believe what’s right in front of them, especially if the truth concerns the town’s heroes. 

Meine 50 Cent

Der Klappentext ist schon sehr aussagekräftig und man kann sich sofort denken, dass sich dieses Buch um sexuellen Missbrauch und Vergewaltigung dreht. Daher möchte ich an dieser Stelle eine Triggerwarnung aussprechen.

Asking for it ist in zwei Teile gesplittet. „Das Jahr davor“ und „Das Jahr danach“.

Im ersten Teil erfährt man viel über Emma und ihr verhältnismässig normales Leben. Emma stammt aus einer klassischen Vorstadtfamilie und ist – wie man so schön sagt – Anführerin ihrer eigenen kleinen Girl Gang. Gemeinsam mit Maggie, Ali und Jamie redet sie über Jungs, Klamotten und Parties. Der ganz normale Mädelsalltag also. Bis zu dieser einen verhängnisvollen Party an der Emma merkt, wie schnell man in eine solche Situation geraten kann, obwohl man denkt den Menschen um einen herum vertrauen zu können.
Danach wird Emmas Leben nach diesem Erlebnis geschildert. Wie sie von ihren Freunden wahrgenommen wird, wie sie verabscheut wird und wie sie darunter leidet.

Der zweite Teil des Buches startet mit „dem Jahr danach“. Ein Jahr ist vergangen seid dieser Party . Nun kommt der quälende Teil des Buches, der einen mitfühlen lässt. Wir lernen die neue Emma kennen, die sich verändert hat. Wir merken wie so etwas nicht nur das Opfer, sondern Familie, Freunde und das ganze Umfeld belasten kann. Und dieser Teil des Buches ist in meinen Augen nervenaufreibend, weil er ehrlich und sehr ungeschönt geschrieben ist.Asking for it Buchrezension

Was mir an Asking for it  besonders gefallen hat ist, dass es Louise O’Neill geschafft hat, Emma am Anfang des Buches so darzustellen, dass ich sie abgrundtief hassen konnte. Sie ist eine arrogante Zickenkönigin, die sich für etwas besseres hält, sie stellt sich über ihre Freunde, sie ist kein Protangonist denn man von Anfang an leiden kann. Sie glänzt eher mit untergründiger Stutenbissigkeit als mit Sympathie. Und genau deswegen finde ich das so super, denn sobald Situation X passiert, tut man sich fast schon schwer Mitleid mit Emma zu empfinden. Man kann nachvollziehen warum sie alle verabscheuen, sie beleidigen und sie angreifen. Und so eine Reaktion sogar beim Leser auszulösen, das schafft nicht jeder Autor. Zwischenzeitlich musste ich mich daran erinnern, dass Emma das Opfer ist. Das war für mich eine sehr erschütternde Leseerfahrung. Man bekommt einen weiten Einblick über Slutshaming in unserer digitalisierten Gesellschaft, wie schnell sich Gerüchte und vor allem Bilder selbstständig machen können und wie das alles ein leben zerstören kann.

Im zweiten Teil des Buches wird man ganz anders als im ersten Teil, total in Emmas Gefühlswelt mit einbezogen, so dass man nach und nach das Geschehene mit ihr zu verarbeiten versucht. Emma ist ein Opfer, das weiß man als Leser, aber im Buch wird Emma zum Täter und wir als Leser müssen miterleben, wie sie tagtäglich versucht mit dem Slutshaming, der Scham und sogar den Schuldgefühlen leben muss. Mit dem Missbrauch kommen auch die psychischen Probleme und wir sehen wie eine gefeierte Girl-Gang-Königin zerbricht und ihr Leben verliert.

Dieses Buch thematisiert entgegen der Versprechung im Klappentext weniger die Täter. Die „good Boys“, die das Emma angetan haben, haben einen überraschend geringen Stellenwert in der Erzählung. Was anfangs überrascht, tut dem Buch allerdings sehr gut. Ein Buch das wirklich die Augen öffnet!

Und ganz zum Ende gibt es nur noch zu sagen, dass ich Asking for it nur jedem empfehlen kann. Aber trotzdem sollten manche Personen beachten, dass es euch triggern kann. Solltet ihr also bei diesem Thema vorbelastet sein oder anderes, dann solltet ihr das Buch mit Vorsicht genießen.

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8 Kommentare

  1. 8. Juni 2016 / 13:29

    Ich finde das Thema super interessant, weil es gerade ja wirklich überall ist und das Buch interessiert mich total, allerdings traue ich mich noch nicht ganz ran. Deine Rezension bestärkt mich nur darin, dass es sehr nervenaufreibend wird und mich vermutlich super wütend machen wird, auch wenn ich selbst nie was mit dem Thema zu tun hatte. Es bleibt aber auf jeden Fall auf meiner Merkliste, weil es einfach ein super wichtiges Buch zu sein scheint.
    Danke für die Rezension!

  2. 8. Juni 2016 / 19:21

    Das Buch klingt wirklich sehr interessant und vorallem gut geschrieben! Danke für den Tipp.
    Liebe Grüße, Mona

  3. 8. Juni 2016 / 20:01

    Super tolle Rezi! Finde, dass sich das Buch echt interessant anhört. Das Englisch ist auch bezwingbar. 😀

  4. 8. Juni 2016 / 20:33

    Das klingt nach einem interessanten Buch. Es ist ja wirklich so, dass die Opfer oft mit „na du bist doch selber Schuld“ abgetan werden und egal ob man jemanden mag oder nicht, das hat wirklich niemand verdient. Auch wenn ich jemanden absolut nicht leiden kann, macht es das nicht weniger schlimm, wenn ihm etwas schlimmes passiert. Das vergessen leider zu viele.
    Liebe Grüße, Jessica | http://www.vintageherz.com

  5. 9. Juni 2016 / 19:49

    Halloooo 🙂
    Du schreibst wirklich immer sehr schön, ich lese gerne von dir! <- Das mal vorab!

    Das ist natürlich ein "krasses" Thema. Sehr schwierig und gerade so wichtig darüber aufzuklären und Aufmerksamkeit zu schaffen.
    Klingt echt interessant, vor allem lese ich auch viel lieber auf Englisch 😀 🙂

    Danke für deine Mühe!

  6. Larissa
    9. Juni 2016 / 20:32

    Wow! Finde du hast die Review toll geschrieben und sehr ausführlich. Das Buch klingt total spannend. Zuerst hat mich abgeschreckt, dass es auf englisch ist. Habe nun allerdings total Lust dieses Buch zu lesen. Danke für Review! 🙂
    Liebe Grüße
    Larissa

  7. 9. Juni 2016 / 21:18

    Ich finde es tol, wenn der Autor es schafft den Leser genau in eine Richtung zu lenekn um dann bestimmte Gefühle bei ihm auszulösen. Mit Englisch lesen will ich auch bald anfangen, habe mir schon GoT auf englisch zugelegt.

    Liebe Grüße

  8. 13. Juni 2016 / 20:16

    Das Buch klingt wirklich wahnsinnig interessant. Die Thematik ist ja momentan so viel in den Medien, da habe ich mir sowieso vermehrt Gedanken dazu gemacht und werde mir das Buch wohl auch kaufen.

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