Me, myself and my Smartphone

Ich liebe Technik, ich liebe Social Media ich liebe mein Handy und mein Mac Book. Ich bin immer online, bin immer vernetzt. Das ist ein Luxus, denn ich gar nicht abstreiten will. Aber an manchen Tagen, da weiß ich genau –  heute bleibt das Handy in der Hosentasche, heute lasse ich es bei Seite gelegt. Warum? Einfach weil es höflich ist, wenn man etwas mit Freunden und Familie ausgemacht hat.

Warum ich jetzt darauf komme? Weil ich in den letzten Wochen etwas bemerken durfte. Ich habe festgestellt wie sehr mich diese Smartphone-Generation, die kein Maß der Dinge kennt ankotzt (Ich entschuldige mich für die Wortwahl, aber anders kann man es nicht mehr sagen).

Vor einigen Wochen hat es mich mit meinem Freund zum Affenberg nach Salem gezogen, und schon nach wenigen Minuten war mir klar, dass es viel witziger gewesen wäre, wenn ich einen Klappstuhl mitgenommen hätte um die anderen Menschen, anstatt der Affen zu beobachten.

Kurzer Input am Rande zum Affenberg für alle, die noch nie da waren. Es ist ein Freigehege – man ist nicht durch Zäune von den Affen getrennt. Man darf sie NICHT Streicheln, sie nur mit einer Armlänge Abstand füttern und sie NICHT mit dem Futter anlocken – nur die Affen die schon auf den Wegen und Abgrenzungen sitzen dürfen gefüttert werden.
Ab dem Moment an dem wir in dem Gehege waren, hatten 8 von 10 Personen ihr Handy in der Hand. Hey verstehe ich – wann hat man schon die Gelegenheit so nah an einem Berberaffen zu sein. Aber – und nun kommt das große ABER. Diese Leute haben ihr Handy auch nicht mehr weggelegt. Sie haben den ganzen Tag durch ihr Handy gesehen. Ein Meter Sicherheitsabstand? Nö braucht man nicht, warum auch sieht auf den Bildern nicht gut aus. Also wird unauffällig an den Affen hingerutscht, bis er faucht und nach einem langt. Und dann ist es ein – und ich zitiere „Scheiß Viech“ weil man selber zu dumm ist um sich an simpelste Anweisungen zu halten, nur für das perfekte Bild mit dem man Eindruck schinden kann. Eltern haben ihre Kinder förmlich gedrängt Affen anzulocken, ganz nah ranzugehen, nur damit man etwas zum vorzeigen hat.

Es ging bei so vielen Leuten nicht um den Moment, nicht um das Erlebnis, sondern wer das beste Foto mit dem schönsten Filter für deine 500 Freunde in Facebook macht. Ja Bilder können Erinnerungen sein, aber auf diese Weise?

Grundsätzlich ist es mir ja egal ob man sich so aufführt, da es schlicht und ergreifend nicht mein Bier ist. Trotzdem nervt es mich ab einem gewissen Punkt. Hat man noch einen schönen Tag wenn man ihn damit verbringt drölfzigtausend Fotos zu schießen und den Tag nur durch seine Smartphone Kamera beobachtet? Kann man sich da noch auf das Erlebnis konzentrieren? Ich wage es, es zu bezweifeln.

Aber was mich mehr als nur nervt, weil es mich ab diesem Punkt wirklich stört sind Menschen, die ihr Smartphone als wichtiger erachten als die Situation um sie. Das mag vielleicht stimmen, wenn man im Zug sitzt, aber wenn man auf offener Straße in mich hineinrennt weil man auf Facebook posten muss, dass die Sonne scheint, dann tangiert mich das sehr wohl. Wie oft habe ich solche Menschen schon wütend angefaucht, weil sie ihre Augen keine zwei Sekunden vom Bildschirm losreißen konnten. Wie oft habe ich mich gefragt, ob der Autofahrer hinter mir registriert hat ob ich an der roten Ampel gebremst habe, oder ob er mir jetzt hinten reinfährt, weil er am Steuer telefoniert. Aber jetzt wo es warm wird, fallen mir doch ganz andere Sachen auf. Fahrradfahrer, die auf der Landstraße, auf der 100 erlaubt ist, Schrittgeschwindigkeit fahren während sie geistesabwesend in ihr Handy tippen und dabei Schlangenlinien fahren, Jugendliche auf Rollern, die bei einer grünen Ampel nicht losfahren, weil sie das Smartphone noch nicht in der Jackentasche verstaut haben. „Hey es ist ja rot, da kann man schon kurz instagrammen“ – NEIN KANN MAN NICHT!

Leute es ist mir egal wie ihr euren Tag verbringt – hinter dem Bildschirm oder nicht – aber irgendwo ist ja mal Schluss oder? Was ihr mit eurem eigenen Leben anstellt ist mir Wurst, aber wenn ihr andere Menschen derart behindert, solltet ihr euer Verhalten vielleicht mal überdenken. Ihr sorgt auf jeden Fall dafür, dass ICH mein Verhalten überdenke. Danke dafür, dass zeigt mir manchmal doch dass mein Medienverhalten gesünder  ist als ich dachte, weil ich schaffe es tatsächlich auf dem 20 minütigen Weg in die Arbeit mein Handy in der Handtasche zu lassen und mich auf die Straße zu konzentrieren.

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13 Kommentare

  1. 23. Mai 2016 / 11:09

    schlimm…. ich mein ich bin ja auch viel online…. aber wenn ich schon sowas sehe – wie jemand beim Autofahren snappt, dann kommt mir echt die Galle hoch – ich finde das End-asozial, dass man so bescheuert und gestört abhängig ist und nicht mal für eine Autofahrt das Ding aus der Hand legen kann.

    Was mir auch am Wochenende beim feiern aufgefallen ist – wie viele Leute sich selbst beim Feiern und Tanzen snappen – ohne scheiß ich fand das so peinlich??? “oh wow – looki looki at me – ich trinke alkohol und tanze – looki looki mein leben ist voll die party, so much wow”… dumm?

  2. Mina
    23. Mai 2016 / 12:06

    Daddy am Smartphone, schiebt den Kinderwagen auf der Straße dem kommenden Auto entgegen um dann ganz erschreckt zu bemerken, dass das Auto wegen ihm bremsen musste…
    Ich hasse diese Leute auch so sehr und dann hast du so einen im Freundeskreis, der dann aber in wichtigen Situationen nicht zu erreichen ist…

  3. Steffi
    23. Mai 2016 / 13:22

    Ein Bekannter von uns ist bei nem Autounfall auf dem Weg zur Arbeit gestorben, weil der Fahrer (der Bekannte war Beifahrer & am schlafen, weil früh morgens) whatsappen wollte. Ungebremst auf nen LKW draufgefahren, sofort tot… Und das wegen nem fucking Smartphone!

    Und ne Freisprecheinrichtung fürs Auto ist heutzutage so spottbillig, selbst ich hab eine in meinem 20 Jahre alten Golf – da gibts für mich absolut keine Ausrede mehr, wieso man mit Handy am Ohr/in der Hand gefahren ist. Whatsapp und Co können und müssen halt auch mal warten…

    Ich finds auch unmöglich, wenn man beisammen sitzt auf einer Familienfeier und nur am Handy hängt. Oder wenn man Besuch hat und der nur am Handy hängt. Nach einiger Zeit mal kurz drauf gucken ist ja ok – aber das Ding muss mMn nicht beim Kaffeetrinken aufm Tisch liegen, da kanns auch mal in der (Hosen)Tasche bleiben. Aber ne – dann müsste man sich ja mit anderen unterhalten… Lieber mal schnell alles bei FB durchliken! -.-
    Und Radfahrer mit Smartphone in der Hand… Naja, letztens fuhr son Mädel deswegen fast meinen Sohn um, und hat sich nicht mal entschuldigt (sie fuhr um die Ecke und starrte aufs EiFon statt auf die Straße…). Ich krieg da echt nen Hals bei :’) /o\

  4. 23. Mai 2016 / 17:58

    Ich nicke immernoch. xD
    Aktuell startet ja die Urlaubszeit und ich könnt wirklich “Sch****!” schreien wenn ich auf Instagram, Facebook oder Snapchat jemanden sehe der keine 2h ohne diese Klingelkiste aushält.
    Da ist jemand in Cancun im Urlaub und trotzdem jede Stunde Online. Ich versteh es nicht! Ich hab mir ja vorgenommen in den nächsten 1-2 Jahren mal 2 Wochen auf die Seychellen zu gehen. Mein Handy würde ich zwar mitnehmen aber das wär wohl die ganze Zeit aus, da mach ich doch lieber mit meiner Nikon Fotos und genieß die Ruhe, die gelassenheit. Keine Hektik, mal 2 Wochen das Gefühl abschalten was zu verpassen und immer erreichbar sein zu müssen.

    Ja viele machen zig trillionen Fotos von allem, aber ich frag mich dann immer “genießt ihr den Augenblick auch einfach mal und saugt das in euer gedächtnis?”
    Die zig Fotos werden ja heute auch nicht mal mehr in Alben geklebt, oder es wird auch kein Fotobuch gestaltet. Stattdessen geistern die Fotos halt auf dem Handy rum und man schaut sie eigentlich nie wieder an.

    Ich find’s echt sowas von nervtötend.

    Traurig ist auch dass nur noch geschrieben wird. Anrufe gibt’s selten und wenn geht keiner hin und schreibt dann aber binnen Minuten entsetzt “was ist los?”
    Vor ein paar Wochen wurde ein Kumpel richtig übel verkloppt, eine Gesichtshälfte komplett zu Brei geschlagen. Die Freundin von ihm hat bei seinem besten Freund angerufen und was macht er? Geht nicht ran!! GNAAHHHH!!!! Da könnt ich ausflippen. Da stell ich mir echt immer vor dass ich nen Unfall hab, mitten in der Pampa, mit den letzten den Notruf alarmiere und dann vielleicht noch jemand von Freunde/Familie damit die auch kommen und dann geht keiner ran. Das ist immer so “Oh gott, das klingelt?! Was ist das?!”

    LG
    K.ro

  5. nici
    23. Mai 2016 / 19:16

    Das Bild ist ja unglaublich schön. Da kann man so schön dahin träumen wenn man diese betrachtet.
    Ich seh das so wie du. Ich lasse mein Handy hin und wieder daher zu hause. So hänge ich zwar daheim oft und viel am pc und am Handy, aber habe immer noch zeit für andere Dinge. Und das echte leben ist zudem auch noch viel interessanter als Online.

    Liebe Grüße

  6. 23. Mai 2016 / 20:55

    Oh je, ich gehöre selbst zu den Leute, die immer online sind und ich könnte auch gar nicht anders 😀

    Liebe Grüße, Anna
    von https://whereanna.com/

  7. 23. Mai 2016 / 21:15

    Puh – Word!
    Ich bin ja selber ein Mensch, der einen Haufen Zeit online verbringt. Allein schon durch meinen Job als Frontend-Entwicklerin und natürlich durch das Bloggen mitsamt dem ganzen Social Media-Kram, der da dranhängt. Aber – und das finde ich bemerkenswert – bei einem Abend in der Cocktailbar ist es dann mein ausgerechnet mein Mann, der das Handy nicht in der Tasche lassen kann, der hier schnell was auf Whatsapp beantwortet, dort einen Stand vom Fußball raussucht und so weiter. Das wiederum nervt mich dann total, denn so toll der ganze Onlinekram hier ja auch ist – ich genieße es sehr, auch bewusst offline zu sein.

    LG
    Anne

  8. 23. Mai 2016 / 22:09

    Hallo Anni,
    ich gehöre noch zur Generation, die zwar viel online, aber nicht dauer online ist. Ich lasse mein Smartphone bewusst beim spazieren gehen zu Hause, denn das ist wirklich Freizeit in der ich die Natur und gut Gespräche genießen möchte. ich hasse nichts mehr, als Menschen, die ihre Aufmerksamkeit kaum noch auf etwas anderes lenken können und das wirkliche Leben einfach verpassen…
    Liebe Grüße
    http://www.instylequeen.de/

  9. 24. Mai 2016 / 18:45

    Zwar bin ich selbst auch viel online, aber irgendwann ist auch einfach eine Grenze erreicht – zum Beispiel dann, wenn man wie du berichtet hast, auf dem Affenberg in Salem ist. Wer hier tolle Bilder machen möchte, könnte ja ebensogut eine Kamera mit ausreichendem Zoomobjektiv dabei haben…
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

  10. 24. Mai 2016 / 19:33

    Ich könnte immer ausrasten, wenn ich Leute beim Autofahren snappen sehe… Denen gehört der Führerschein abgenommen!
    Viele Grüße,
    marie <3

  11. 27. Mai 2016 / 10:15

    Wenn ich Auto fahre, fahre ich Auto.
    Wenn ich laufe, laufe ich.
    Wenn ich am Handy werkel, werkel ich am Handy.
    Es ist kein Platz für zwei Aktionen gleichzeitig [und alles andere wäre auch unverantwortlich…ja, die Leute da draußen meine ich]

    Ich fühle mich immer wieder an Kings “Puls” erinnert, wenn ich die ganzen Zombies in der Stadt sehe.

  12. 29. Mai 2016 / 21:26

    Richtig, richtig gut geschrieben und ich musste die ganze Zeit denken: OH YES!!!

    Zugegeben ich bin auch jemand der gerne Fotos macht und weswegen ich mein Smartphone einfach unheimlich liebe, weil ich dafür meine dicke Kamera zu Hause lassen kann und trotzdem immer richtig gute Fotos habe. Was mich aber wirklich stört ist diese ganze Snapperei und alles direkt hochladen zu müssen, damit alle sehen wie gut es einem geht und stattdessen sich nicht mehr mit den Menschen um einen herum befasst. Es ist schön, dass man jetzt die Möglichkeit hat schnell Erinnerungen festzuhalten, aber es sind keine Erinnerungen wenn man die ganze Zeit am Handy klebt und nichts anderes macht.

    Das ist wahrscheinlich für mich auch der Grund warum ich mit Snapchat nicht klarkomme. Ich habe einfach keine Lust rund um die Uhr davon zu berichten was ich da unternehme, weil ich dann einfach keine Zeit mehr habe um tatsächlich die Aktivitäten bewusst zu erleben. Und die ganzen Sozialen Medien fressen doch auch unglaublich viel Zeit auf – wann soll man denn da noch tatsächlich Zeit fürs Leben haben nachdem man alle Snaps, Instabilder, Tweets und Facebook Updates durchgescrollt hat?!

  13. 8. Juni 2016 / 13:46

    Ich gehöre auch zu den Leuten, die nicht mehr ohne Smartphone leben wollen, aber ich könnte. Was du über die Affen erzählst, fällt mir immer wieder bei Konzerten auf. Es gibt so viele, die sich das gesamte Konzert durch den Bildschirm ihres Handys anschauen und weder mitsingen, noch tanzen, springen oder klatschen, weil ja das Video verwackeln könnte. Sowas finde ich unglaublich lächerlich. Wieso zahlt man so viel Eintritt, wenn man von der Situation um sich herum gar nichts mehr mitbekommt und sich in den meisten Fällen auch noch ein fast identisches Video im Internet anschauen kann, weil vieles ohnehin gefilmt und online gestellt wird? Mal ein Foto machen – okay, klar. Warum auch nicht. Aber warum muss man gleich so übertreiben?
    Auch das mit dem Handy im Straßenverkehr nervt mich sehr. Ich habe da normalerweise das Handy in der Tasche, beim Auto oder Fahrrad fahren sowieso, aber auch beim Laufen meistens. Es passiert höchstens, dass ich mal das Lied skippe oder schnell nachschauen muss, wann mein Zug fährt, damit ich ihn nicht verpasse. Dabei schaue ich aber immer noch nach vorne und achte auf meine Umgebung. Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich schon von Leuten mit Handy in der Hand umgelaufen wurde oder noch hektisch ausweichen musste, weil sie selbst nichts mehr mitbekommen haben.
    Das Suchtverhalten ist momentan wirklich nicht mehr normal und die meisten sollten sich darüber wirklich mal Gedanken machen.
    Danke für den Post und liebe Grüße!

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