Alles für ein Like

Ich gehe gerne zu Fuß. Nicht weil ich mich gerne sportlich betätige, sondern weil ich neugierig bin. Ich liebe es andere Leute zu beobachten, neugierig hin und herzuschauen um zu sehen was die Leute um mich herum gerade tun. Ich liebe es den Alltag zu sehen. Aber manchmal sehe ich Dinge, die mich dann doch noch den Tag über beschäftigen und das meine ich ganz und gar nicht positiv.

Also seid ihr bereit für eine kleine Alltags-Anekdote aus dem Süden Deutschlands? Ich hoffe doch, weil ich werde mich nicht davon abhalten lassen. Ich musste vor kurzem in die Innenstadt. Da mir die Parkhäuser immer  zu teuer sind, parke ich immer etwas abseits auf den kostenfreien Parkplätzen und laufe dafür etwas länger. Aber wie schon erwähnt, stört mich das nicht sonderlich. Ich hatte genau das richtige Timing um zur großen Pause an einem Schulhof vorbei zu kommen. Zu erkennen war das schon bevor ich um die Ecke kam, das spielende Geschrei ist einfach unverkennbar.

Also lief ich weiter und wurde kurz etwas nostalgisch, als ich im Augenwinkel zwei Mädchen sah. Diese Handbewegungen, die Kopfneigungen und dazu das Smartphone, dass in jede mögliche Perspektive gedreht wurde.  Ein Blinder mit Krückstock erkannte, dass die beiden ein Musical.ly Video aufnahmen. Sie wirkten überraschend glücklich damit und ich musste auch grinsen. Einfach weil ich selber weiß wie es ist wenn man etwas für die Online Welt generiert und zum anderen weil sie völlig ungeniert in der Öffentlichkeit ihrem Hobby nachgingen und nichts auf die blöden Blicke von außen gegeben habe.

Alles für ein Like – auch die Freundschaft

Aber nachdem ich weiter gegangen war, hörte ich eine aufgebrachte extrem zickige Standpredigt und drehte mich neugierig um. Und aus der netten Situation zweier Freundinnen, die gemeinsam ein Video drehten wurde etwas ganz anders. Freundin A schrie Freundin B förmlich an, weil das Video nicht nach ihren Vorstellungen aussah und man damit ja keine Likes bekommen könnte, wenn sie sich so dämlich anstellen würde.
Ich musste kurz schlucken und war etwas entsetzt. Ich rechnete stark damit dass Freundin B einfach aufstehen würde und erhobenen Hauptes frei nach dem Motto „Mittelfinger hoch“ weggehen würde. Aber nein – wie ein getretener Hund zog sie den Kopf ein und ließ sich auf dem Pausenhof anschreien wegen Likes und einem noch nicht mal hochgeladenen Video.

Wie traurig ist dass den bitte? Zu was haben sich diese Social Networks entwickelt, dass junge Mädchen Likes, Follower und anderes über solide Freundschaften stellen?  Ich würde nie auf die Idee kommen, eine Freundin anzubrüllen nur weil vielleicht ein Foto für den Blog nicht so geworden ist, wie ich es mir vorgestellt habe. Wo würden wir denn da hinkommen, es  ist schließlich nur online und im Normalfall oft nur temporär. Aber eine gute Freundschaft sollte Ewigkeiten halten, der entsprechende Umgang miteinander ist dabei vorausgesetzt.  Ich gebe an dieser Entwicklung vielen Leuten die schuld, aber sind wir ehrlich wir Influencer (ja ich zähle mich an dieser Stelle dazu auch wenn ich wohl eher in der unteren Mittelschicht rangiere) sind an dieser Situation nicht ganz unschuldig. Wir posten diesen perfekten Ausschnitt aus unserem Leben, halten grinsend unsere PR-Samples in die Kamera und und und. Klar das junge Mädchen, diesem etwas umstrittenem Ziel nacheifern wollen. Viele Geschenke und Geld bekommen, für etwas dass die anderen 90% in Deutschland umsonst und auch gerne im Alltag machen. Ich weiß nicht wie sich das alles weiter entwickeln wird, ich weiß auch nicht wie man so etwas besser entgegen wirken kann. ich weiß nur, dass ich an diesem Tag erstmal kein Instagram mehr aufmachen wollte.

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10 Kommentare

  1. 17. Oktober 2016 / 10:39

    Ja irgendwie hat da ein Wertewandel stattgefunden – wirklich krass! Hätte man das uns damals erzählt, hätten wir es wahrscheinlich gar nicht geglaubt und total lächerlich gefunden.

  2. 17. Oktober 2016 / 14:17

    Naja, konkret ist das wirklich extrem dumm, aber ich sehe da nicht groß den Werteverfall.

    Solche emotional ungefestigten Menschen, die andere grundlos klein machen gab es doch schon immer. Das hört sich nicht gerade nach einer Freundschaft für’s Leben an und die andere wird sich früher oder später andere Freunde suchen, die sie eben mehr respektieren und sich normal benehmen können.

  3. 17. Oktober 2016 / 14:31

    Ich glaube das liegt am Alter (auch wenn das immer ein bisschen blöd klingt).
    Man passt sich zwar mit der Zeit auch den neuen Gegebenheiten und Trends an, hat dann aber seine Grenze wie weit man sich davon beinflussen lassen möchte. Ich freue mich zwar auch über Likes und möchte eine größere Leserschaft bekommen, aber nicht zu jedem Preis.

  4. 17. Oktober 2016 / 14:33

    Heutzutage ist das schon sehr erschreckend zu beobachten. Statt sich angeregt zu unterhalten werden nur noch Selfies gemacht und manchmal merkt man, dass man sich nur noch was zu schreiben aber nix mehr zu sagen hat. Wir werden eben immer Digitaler aber auch, weil teilweise unser Job uns das so abverlangt und wir es ins Privatleben übernehmen.
    Interessant und schön, dass du die Möglichkeit hattest so eine Situation zu beobachten.

    Liebste Grüße Laura
    http://streuselsturm.blogspot.de

  5. 17. Oktober 2016 / 20:21

    Krasse Story aber ich kann es mir richtig gut vorstellen. Besonders auch mit dieser Musicaly App die anscheinend bei der jüngeren Generation DER Trend zu sein scheint. Oft sehe ich aber auch bei Instagram Accounts von sogenannten ‘Internet best friends’ die dann zusammen irgendwelche Videos hochladen und hauptsächlich damit ihre gemeinsame Zeit verbringen. Wenn ich jetzt so zurück denke war es für mich das Highlight mit einer Freundin für eine Stunde an den PC meiner Ma zu dürfen um online auf Seiten wie Spieleaffe.de zu zocken 😀
    Ich glaube nicht das Kind sein heutzutage durch soetwas einfacher wird, sondern eher sorgenvoller.
    Liebste Grüße,
    Farina

  6. 17. Oktober 2016 / 20:43

    Es ist wirklich erschreckend wieviel Wert wir dem Ganzen mittlerweile zu gestehen. Das sollte man sich viel kritischer bewusst machen.
    Liebe Grüße, Mona

  7. 18. Oktober 2016 / 10:47

    Toller Post, obwohl es wirklich beunruhigend ist, wie “Kinder” und Jugendliche mit dem Thema Social Media umgehen. Ich hoffe der Trend geht wieder in Richtung Real Life. Instagram, Facebook und co. sind eine gute Inspiration, aber man sollte die Wirklichkeit nicht vernachlässigen oder gar vergessen.

    Liebe Grüße

    Nicole

  8. 18. Oktober 2016 / 22:34

    Hola…aber das merkt man immer öfter…Social Media, Like und Co nehmen immer mehr die Oberhand ein…Real Life ist da nicht mehr wirklich vorhanden…ich hoffe das nimmt so langsam mal wieder ab und entwickelt sich wieder in die richtige Richtung

    Wirklich erschreckend

  9. 19. Oktober 2016 / 7:34

    Bringt einen wieder einmal zum nachdenken unf reflektieren. Irgendwie ist Social Media Fluch und Segen und setzt doch eine gewisse Charakterstärke bzw. Selbstbewusstsein vorraus. Ich würde an sich auch nie jemanden wegen einem Foto anbrüllen jedoch erwische ich mich schon ab und an dabei, dass ich traurig bin, wenn ein Foto nix geworden ist. Dabei ist das ja auch gänzlich blöd. Man hat eine gute Zeit auch ohne Fotobeweis. Ich bin mal positiv gestimmt, dass solche Konflikte wie von dir beobachten sich mit der Zeit lösen und alle wissen was Social Media vorgibt und wie es wirklich ist.

  10. 31. Oktober 2016 / 11:34

    Deine Reaktion ist vollkommen nachvollziehbar.
    Wie krass ist das denn bitte ?
    Geht gar nicht… Die sollten mal für ne Woche irgendwo ausgesetzt werden. OHNE HANDY.
    Dann wüssten sie wahrscheinlich gar nicht mehr weiter…

    Liebste Grüße
    Swantje von http://www.swanted.de/

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