Go Abroad | Von der Bewerbung, zur Nominierung bis zum Auslandssemester

Vor Kurzem habe ich es euch schon erzählt, dass mein Auslandssemester vor der Tür steht und es bald losgeht. Am 14. September ziehe ich schon um. Und langsam überkommt mich die Nervosität. Da ich euch auf dieses Abenteuer mitnehmen werde, erzähle ich euch heute mal etwas zur Bewerbung, dem unheimlichen Papierkram und wie es bei meiner Hochschule ablief.

Welche Uni passt für mich

Jede Universität oder Hochschule hat ein International Office. Solltet ihr euch je für ein Auslandssemester entscheiden, sind die Leute dort eure besten Freunde. Das International Office ist auch für Informationen eure wichtigste Anlaufstelle. Denn zuerst solltet ihr euch über die Bewerbungsfristen und Partnerhochschulen informieren. 

Natürlich könnt ihr euch auch selber um eine Wunschuniversität im Ausland kümmern, aber die Partneruniversitäten, die bei eurem Auslandsamt gelistet sind, haben zum einen einen Vertrag mit eurer Hochschule und zum anderen kann man davon ausgehen, dass die Studiengänge und -inhalte einigermassen zu eurem Studiengang passen. Also liegt schonmal eine gewisse Sicherheit vor. 

Nicht jede Partnerhochschule eurer Universität passt auch zu eurem Studiengang, also schaut hier mehrmals nach. Von ungefähr 50 Partnerhochschulen, sind für meinen Studiengang am Ende noch drei Hochschulen übrig geblieben: Australien, Brasilien und Italien. 

Da ich die EU nicht verlassen wollte und mich weder Australien, noch Brasilien gelockt haben, fiel mir die Entscheidung denkbar einfach. Vor allem da ich dank einem Austauschstudenten aus Turin schon einiges über die Hochschule und den Studiengang erfahren konnte. 

Solltet ihr euch aber unsicher sein, solltet ihr beim International Office nachfragen wer in der Vergangenheit schonmal an dieser Hochschule war und euch mit dieser Person mal zum Gespräch treffen, manchmal werden euch kleine Erfahrungsberichte auf der Webseite gepostet oder ihr besucht entsprechende Events an eurer Hochschule wie z.B. Austauschabende mit Erasmus Studenten. Ganz wichtig sind auch die genauen Studieninhalte, stimmen sie mit euren Erwartungen überein, oder habt ihr auf die angebotenen Vorlesungen mal gar keine Lust?

Bei mir wurde es übrigens “Cinema e Media engineering“ und eigentlich studiere ich „Medien- und Bildungsmanagement“.

Was wird gesprochen?

Nicht ganz unwichtig ist auch die Sprache im Land. Ich lehne mich soweit aus dem Fenster und behaupte, dass alle die sich Gedanken über ein Auslandssemester machen, angemessen englisch sprechen um im Ausland nicht zu verhungern. 

Oft reicht euch englisch im Ausland um mit den Leuten zu reden um klar zu kommen. Aber nicht jede Hochschule im Ausland bietet ihre Vorlesungen auch auf englisch an, viele werden auch in der Landessprache gehalten. In meinem Fall konnte ich nur diverse Vorlesungen belegen und musste auf einige verzichten, da ich einfach nur sehr einfaches Touristen-Italienisch spreche und Espressos bestellen kann. 

Im Normalfall bekommt ihr vor Ort die Möglichkeit einen Sprachkurs zu belegen, der eurem aktuellen Sprachniveau entspricht. Diese Möglichkeit solltet ihr übrigens immer nutzen, man kann nie genug Sprachen lernen. 

Die Bewerbung für das Auslandssemester 

Ihr seid nun also informiert über die Hochschule, wo ihr hin wollt und seit bereit? Dann steht nun die Bewerbung bei eurem International Office auf dem Plan. Auf welcher Sprache eure Bewerbung verfasst sein soll, müsst ihr vorher abklären. Ich konnte alles auf Deutsch erledigen, für rein englischssprache Länder hätte ich sie auf Englisch abgeben müssen. Bei mir sah die Bewerbung folgendermassen aus:

  1. Bewerbungsformular mit Unterschrift
  2. Lebenslauf
  3. Foto im Passformat
  4. Motivationsschreiben
  5. Nachweis der bisher erbrachten Studienleistungen 
  6. Kopie der Krankenversicherungskarte (Vorder- und Rückseite)
  7. Nachweis über Fremdsprachenkenntnisse
  8. Immatrikulationsbescheinigung
  9. Kopie Personalausweis

Also alles machbar und schnell zusammengetragen mit kleinen Ausnahmen. Das Motivationsschreiben ist ca. 2 Seiten lang und ist dafür da, nahe zu legen warum gerade ihr ins Ausland gehen solltet. Erzählt etwas über euch, euren Studiengang und euren aktuellen Stand, was erwartet ihr vom Auslandsemester für euer Studium und auch für euer Leben und wie gedenkt ihr eure Hochschule im Ausland zu repräsentieren. Hier müsst ihr euch verkaufen, vor allem wenn bei euch grundsätzlich viele Leute ins Ausland gehen wollen. 

Sprachnachweise bekommen

Der Sprachnachweis war dagegen etwas komplizierter an meiner Hochschule. Da ich kein gängiges Zertifikat für die englische Sprache habe wie z.B. Cambrige oder TOEFL, habe ich es mit meinem Abiturzeugnis versucht, dass mir bescheinigt 9 Jahre lang Englisch in der Schule gehabt zu haben. Bei mir wurde das akzeptiert, manchmal muss man auch einen kurzen 1-Seiten langen Brief an die – falls vorhanden – Studiengangsleitung des Fachs Englisch schreiben. Also ein fehlendes Zertifikat ist kein Ausschlusskriterium. Trotzdem ärgere ich mich, dass ich das Cambridge Zertifikat vor einem Jahr nicht gemacht habe. Gerade für solche Fälle wäre das unheimlich praktisch. 

Auswahlgespräch und Nominierung

Nun heißt es erstmal abwarten bis die Bewerbungsfrist vorbei ist. Danach kommen trotzdem noch einige Schritte. Als nächstes folgt ein Auswahlgespräch mit dem International Office, das ähnlich wie ein Bewerbungsgespräch ist. Wie locker dieses Gespräch abläuft hängt wirklich von der Größe eurer Hochschule ab und wieviele Leute ins Ausland wollen. Bei diesem Gespräch solltet ihr euch zum einen an euer eigenes Motivationsschreiben erinnern und euch auf einige Fragen vorbereiten, die recht häufig vorkommen:

Typischen Fragen im Auswahlgespräch
  • Warum möchtest du ein Auslandssemester machen?
  • Warum sollten wir gerade dich ins Ausland schicken? 
  • Warum hast du dich für diese Hochschule in diesem Land entschieden?
  • Hast du Befürchtungen und Ängste bezüglich deines potentiellen Auslandaufenthalts?
  • Wie wirst du deine Hochschule vor Ort repräsentieren?
  • Welche Erwartungen hast du an dein Auslandssemester? Was erhoffst du dir davon? 
  • Wie gehst du mit unterschiedlichen politischen und religiösen Meinungen und Weltanschauungen um?

Auf diese Fragen solltet ihr solide Antworten liefern können. 

Und nun kommt wieder eine kurze Wartepause, sollte alles gut abgelaufen sein bekommt ihr nach kurzer Zeit eine Nominierung für das Auslandssemester von eurer Hochschule, die ihr noch endgültig bestätigen müsst. Diese Nominierung wird danach an die ausgewählte Partnerhochschule übermittelt und muss dort ebenfalls bestätigt werden. 

Und nun nochmal bewerben

Wenn eure Wunschuniversität eure Nominierung bestätigt hat, müsst ihr euch bei dieser Hochschule erneut bewerben, wie das Bewerbungsportal dort aussieht, ist natürlich immer unterschiedlich. Aber grundsätzlich ist es wie eine normale Unibewerbung

  1. Biographische Informationen
  2. Bisherige schulische Laufbahn
  3. Sprachkenntnisse
  4. Infos über euren Ansprechpartner an der Hochschule, sowie einen Notfallkontakt
  5. Learning Agreement
  6. Transkript eurer bisherigen Studienleistungen
  7. Kopie Personalausweis 

Das meiste davon habt ihr schon für die Bewerbung bei eurem International Office vorbereitet. Interessant ist an dieser Stelle das Learning Agreement. In diesem Dokument gebt ihr an, welche Vorlesungen ihr vor Ort gerne belegen würdet. Und auch welche Vorlesungen ihr euch schlußendlich anrechnen lassen wollt. Dieses Dokument ist unheimlich wichtig und merkt euch sozusagen schonmal für eure Wunschvorlesungen vor. Vor Ort kann sich da aber noch einiges ändern, falls es Überbelegungen gibt. Das Learning Agreement solltet ihr in enger Zusammenarbeit mit euren verantwortlichen Dozenten anfertigen, die müssen es nämlich zusätzlich unterschreiben und nach einigen Semestern können sie euch auch hilfreiche Ratschläge geben zu euren eigenen  Skills und was sie euch zutrauen oder was nicht. 

Nun müsst ihr nur noch auf eure endgültige Zusage der Partnerhochschule warten und der Rest läuft daraufhin ziemlich automatisch ab. Sobald ihr diese endgültige Zusage an euer International Office gesendet habt, bekommt ihr nochmal unheimlich viel Post. Ihr müsst eure Bankdaten zusenden für die Erasmus Förderung, und Erasmus sendet euch das sogenannte Grant Agreement zu. Dabei handelt es sich um einen Vertrag, der euren Auslandsaufenthalt absichert und auch eure finanzielle Förderung. Definiert werden darin unter anderem die Dauer der Förderung, eure Pflichten bzgl. Berichten und nochmals eure Bankverbindung. 


So sieht die Bürokratie eines Auslandsaufenthalts bei mir so aus. Natürlich kann sich dieser Prozess von Hochschule zu Hochschule unterscheiden. Alles was ich hier erzählt habe, muss bei euch nicht unbedingt so ablaufen. Aber es gibt euch einen groben Rahmen und Überblick. 

Das nächste Mal spreche ich über Förderungen und die Wohnungssuche im Ausland. 

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8 Kommentare

  1. 22. August 2018 / 19:52

    Ich wünsche dir ganz viel Spaß und tolle Erfahrungen bei deinem Auslandssemester! Dass man zuvor sehr nervös ist, kann ich mir gut vorstellen, ich habe das bei einigen Freundinnen ebenfalls erlebt und auch, dass die Vorbereitung darauf unheimlich aufwendig sein kann. Aber keine von ihnen hat jemals bereut, es gemacht zu haben und alle sagen, dass diese Erfahrung ihr Leben bereichert hat.

    Das wünsche ich dir ebenfalls 🙂

    Danke für deinen Erfahrungsbericht und den tollen Leitfaden, der vielen bestimmt eine große Unterstützung bei der Planung Ihres Auslandssemesters ist 🙂

    Liebe Grüße, Kay
    http://www.twistheadcats.com

  2. 22. August 2018 / 21:13

    Wahnsinn meine Liebe, das is wirklich nicht mehr lang bis es bei dir losgeht! ich finde das auch super spannend! so ein richtiges Auslandssemester würde ich mir in meinem Studiengang nicht zutrauen, aber da wir relativ viele Praktika außerhalb der Vorlesungszeot absolvieren müssen und diese auch im Ausland machen können, ist das auch noch ein Plan von mir 🙂

    bin richtig gespannt auf deine Erfahrungen meine Liebe!

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

    • Anni Hydrogenperoxid
      22. August 2018 / 22:45

      Oh ja ich verstehe dich. Während dem Studium wäre das bei mir auch nicht gegangen, aber ich wende Trick 17 an sozusagen 😀 Ich habe um ein Semester verlängern müssen, wegen der Masterarbeit, aber ich habe keine Vorlesungen mehr und kann daher sehr flexibel sein. Im 2. oder 3. Semester wäre das leider nicht gegangen und ich hätte bei uns in Deutschland einiges nachholen müssen, weil die Anrechnung nicht komplett funktioniert hätte

  3. 23. August 2018 / 11:20

    Das wird sicherlich eine ganz wunderbare Erfahrung. Auch wenn dein Italienisch jetzt noch stümperhaft ist, wird es danach sicher besser sein.
    Ich hätte nicht gedacht dass man so viele unterlagen einreichen muss für ein Auslandssemester. Ist ja schließlich kein komplettes Studium im Ausland.
    Liebe Grüße,
    Tama <3

  4. 23. August 2018 / 11:27

    Boah ist das aufregend! Ich hab damals auch länger überlegt, ob ich ein Auslandssemester machen soll und hab mich dann doch dagegen entschieden… Bereuen tu ich das zwar nicht, aber cool wärs sicher gewesen! Dafür belege ich heuer nach Jahren endlich mal wieder einen Sprachkurs und geb Spanisch nochmal eine neue Chance 🙂

    Alles Liebe, Katii – Süchtig nach…

  5. 23. August 2018 / 11:51

    Ich habe irgendwie jeden beneidet der ein Auslandssemester gemacht hat, habe mich selbst es aber nie getraut und wusste auch nicht wo ich meine Katzen unterbringen sollte 😀 Ich finde jedoch sehr gut, dass es dafür extra ein Auswahlgespräch gibt, das wusste ich gar nicht. So kann man aber herausfinden, ob es passt und man überhaupt dafür geeignet ist 🙂

  6. 23. August 2018 / 12:26

    Ich bin zwar schon lange durch mit meinem Studium, aber da meine Schwester gerne ein Auslandsemester machen mag, werde ich ihr den Link direkt mal weiterempfehlen.
    Danke dir für die tolle Aufstellung. Das macht es auf jeden Fall viel einfacher zu planen am Anfang!
    LG
    Steph
    http://www.lovetobefit.de

  7. 24. August 2018 / 11:29

    Da sind viele hilfreiche Tipps drinnen, die jeder lesen sollte, der ein Auslandssemester plant. Ich hätte das auch immer sehr gerne gemacht … aber bei mir ging sich das neben meinem Vollzeitjob einfach nicht aus.

    Sonnige Grüße
    Verena

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