KW 10 | Weißt du noch?!

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Ich steige in mein Auto, 250 km später sehe ich das Schild meiner Heimatstadt und ich werde glatt etwas nostalgisch. Der erste Schritt ist bei meiner Oma hineinzuschneien, danach geht es zu meinen Eltern. Es  hat etwas von Urlaub,  ich kann abschalten. Und sobald ich in meinem alten Kinderzimmer liege greife ich zum Telefon und wähle 5 Ziffern, der Anfang eines „Weißt du noch“ Abends.

„Hey hier ist Anni, ist Jenny zu Hause“ Bei den Worten fühle ich mich wieder wie 16. Ich habe fast keine Freunde mehr zu Hause,  die Umzüge , das Studium , die unterschiedlichen Lebenszüge haben einfach dafür gesorgt, dass der Kontakt langsam zerbricht. Klamm und heimlich und wenn man denkt „Ich könnte ja mal wieder anrufen“ schleicht sich irgendwie das Gefühl ein, dass es zu spät ist und ich lege zaghaft den Hörer weg. Jenny dagegen ist meine Person. Egal wie lange ich mich nicht melde, wie lange wir nichts voneinander hören, wenn es wieder soweit ist fühlt sich alles an wie gestern.

Die Zeit rast einfach, es kommen neue Chancen, neue Türen durch die man gehen kann und all das bringt einen weiter, entfernt mich persönlich aber immer mehr von früher. Es heißt immer „Konzentriere dich nicht auf die Zukunft, die Vergangenheit kannst du eh nicht mehr ändern“ Aber alles dagewesene einfach hinter mir zu lassen, die Erinnerungen verblassen zu lassen , dass möchte ich nicht. Das ist schließlich alles ein Teil von mir. Trotzdem ändert sich mein Leben so schnell, dass ich das Gefühl habe mit 220hm/h in einem Cabrio über die Autobahn zu rasen. Und manchmal macht mir das Angst.

Und welche Rolle spielt meine Beste hier? Jenny ist mein Anker und ich denke sie weiß das gar nicht so wirklich. Immer wenn ich zu Hause bin, sage ich ihr Bescheid und rufe sie an. Denn sie gehört zu diesem „Zu Hause Gefühl“ dazu. Ohne sie fühlt sich das nicht richtig an.  Das Leben bleibt einen Abend lang stehen, während wir kichernd zusammen an einem Tisch sitzen und alte Geschichten von früher auftauen, die andere wohl schon lange vergessen haben. „Weißt du noch damals in der 5. Klasse“…. „Weißt du noch damals im Schullandheim“… Sie ist meine Weißt du noch – Person. Sie ist die Person, die dafür sorgt dass mir die Vergangenheit nicht durch die Finger gleitet. Sie bringt mich zum lachen und auch wenn wir seltener als andere miteinander telefonieren und uns sehen habe ich etwas Besonderes an ihr. Und ich schreibe, dass  hier gerade wohl nur weil ich es ihr so nie sagen könnte, dank meinem Knoten in der Zunge, sobald ich etwas Nettes  sagen möchte.

Ich bin froh vergangene Dinge mit ihr erlebt zu haben, denn sie hat für solche blöden Geschichten das gleiche Elefantengedächtnis wie ich, bis heute ist sie für mich da und ein Teil von meinem Leben und ich hoffe es wird noch lange so sein. Ich bin der Ansicht jeder braucht eine „Weißt du noch“-Person um über vergangenes Reden zu können, um manche Dinge nicht zu vergessen und um an manchen Abenden in Erinnerungen zu schwelgen.

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4 Kommentare

  1. 8. März 2015 / 20:37

    Ich kenne das Gefühl, wie es ist wieder nach Hause zu kommen und sich einfach unglaublich wohl zu fühlen. Es ist so schade, dass manchmal der Kontakt zwischen Menschen nur hält, wenn sie auch wirklich was miteinander machen. Ich habe das schon ziemlich oft erlebt & fand es immer wieder schade, dass durch Entfernung Freundschaften in die Brüche gehen. Mit der Zeit habe ich dann aber gelernt, dass die Personen, die einem wirklich wichtig sind, immer an deiner Seite sind egal wo du bist 🙂 Freut mich, dass auch du so eine tolle Freundin hast 🙂

    Liebe Grüße 🙂
    http://measlychocolate.blogspot.ae

  2. 8. März 2015 / 21:11

    Der Post gefällt mir total. Dein Schreibsil ist echt toll, so wie dein Blog allgemein und auch das Design gefallen mir umheimlich gut 🙂

    Liebe Grüße, Kathie <3
    http://www.mondexrose.blogspot.de
    Bei mir findet momentan eine Blogvorstellung statt, ich würde mich sehr freuen wenn du mitmachst! 🙂

  3. 8. März 2015 / 22:17

    Das ist wirklich schön! Ich glaube jeder hat so jemanden, der einem noch mehr dieses Zuhause Gefühl schenkt, bei dem man sich wirklich geborgen fühlt, ab der ersten Sekunde, selbst wenn man sich lange nicht gesehen hat!
    Liebst

  4. 10. März 2015 / 18:41

    Ich freue mich auch immer, wenn ich meine Freunde aus der Kindheit wieder sehe 🙂 Man erinnert sich wirklich an die komischsten Sachen von früher. Und ich finde es immer wieder schön zu sehen, dass man sich zwar mit der Zeit komplett verändert hat, aber im Herzen gleich geblieben ist 🙂

    Liebe Grüße,
    Maria von fashion-inspires.me

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