KW 12 | Ein Haus voller Einnerungen

kw12Meine Oma ruft mich begeistert an „Kind, Kind, hast du schon gehört, mein neues Schlafzimmer kam an „ – „Toll Oma“ – „ Ja und ich bekomme ganz tolle neue Wohnzimmermöbel, dein Vater hat da ne tolle Idee für das Zimmer“ – „ Das ist toll Oma“. Ich sage ihr wie sehr ich mich für sie freue , dass sie alles bekommt was sie sich wünscht. Aber  da ist nicht nur die lachende Seite, die sich freut, auf der anderen Seite würde ich am liebsten heulen, denn gleichzeitig bedeutet das für mich, dass ein Haus voller Erinnerungen verschwindet.

Dass die Zeit nicht rückwärts laufen kann ist mir bewusst, aber in solchen Momenten spüre ich wie sie rast.
Meine Oma ist  für mich mein größtes Vorbild, sie steht für mich über allem und ist mein Anker im Leben. Und jetzt wo ihr  Umzug in den Startlöchern steht, freue ich mich für sie weil sie es einfacher haben wird, aber  gleichzeitig ist dieser Umzug für mich ein Zeichen, dass kein Mensch für immer leben kann.  Und dieser Gedanke zerfrisst mich gerade von innen heraus.
Gleichzeitig ist es als würde man mir ein Stück Kindheit nehmen. Ich bin mit meiner Cousine weitestgehend bei meiner Oma aufgewachsen. Unsere Eltern waren arbeitstätig und meine Oma wohnt ums Eck, es gibt also nichts was sich besser angeboten hätte.
Wir hatten eigene Schlafzimmer und ein gemeinsamen Spielzimmer mit allem was das Kinderherz so begehrt. Meine Oma hat für uns keine Mühen gescheut. Im Haus konnten wir wunderbar verstecken spielen. Bilder malen und einfach Kind sein. Dieses Haus ist für mich ein Zeichen meiner Kindheit, ein Haus voller Erinnerungen.
Das alljährliche Maultaschenessen zu Ostern, bei dem sich jeder den Kopf an der niedrighängenden Lampe  angeschlagen hat. Abends zusammensitzen und „Wunderbare Genie“ auf Kabel 1 anschauen. Die Forts, die wir unter dem großen Massivholztisch bauen konnten, zusammen mit Oma im Nähzimmer sitzen während sie uns häkeln und stricken beibringt.  Einfach alles war perfekt. Ich habe keine einzige schlechte Erinnerung an diese Zeit, außer die fette Katze, die hin und wieder nach einem gelangt hat.    Und dass es mich die gewachste Wendeltreppe hin und wieder heruntergeschlagen hat. Aber das gehört nunmal dazu.

Und jetzt läuft die Zeit ab, der Umzug meiner Oma rückt immer näher und ich habe Angst vor dem Tag an dem es heißt „Heute geht das Renovieren los, lass uns alles rausreißen“. Auch wenn sie mich immer anruft und mich fragt ob ich etwas vom Mobiliar haben möchte, komm ich nicht wirklich über den Gedanken hinweg, dass dieses Haus grundsätzlich umgemodelt wird und schlussendlich jemand  einziehen wird und alles verändern wird. Und auch die  Gedanken, dass mir die Erinnerungen und Bilder bleiben werden, trösten mich aktuell nicht. Es ist so unheimlich schwer und ich habe das Gefühl jeder nimmt es souveräner als ich.

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5 Kommentare

  1. 22. März 2015 / 18:17

    Kann dich absolut verstehen. Meine Gr0ßeltern wohnen bei mir mit im Haus. Ich wohne zwar auch in meiner eigenen Etage mit in diesem Haus, trotzdem merke ich wie sich nach und nach alles verändert. Das Auto wird abgemeldet, weil Opa nicht mehr fahren darf usw.

    Immerhin haben wir das Glück tolle Großeltern zu haben und das auch jetzt noch. Das macht es leichter mit den Veränderungen umzugehen ♥

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

  2. 23. März 2015 / 11:42

    Liebe Anni,

    kann dich gut verstehen, aber deine Erinnerungen kann dir niemand nehmen und schätze dich überglücklich, dass du sie hast 😉
    Kopf hoch das wird wieder leichter.

    lg martina

    http://m-iwear.blogspot.com

  3. 23. März 2015 / 11:45

    Liebe Anni,

    deine Erinnerungen kann dir keiner nehmen, die bleiben dir und sei froh, dass du diese Erinnerungen hast.
    Kopf hoch es wird wieder leichter !

    lg martina

    http://m-iwear.blogspot.com

  4. helsingirl
    9. April 2015 / 14:47

    Als ich das gelesen habe konnte ich so mitfühlen mit dem was du meinst.

    Meine Großeltern sind vor kurzen aus ihren Haus im den kleinen Dorf in Finnland wo sie, meine Tante, mein Onkel, meine Mama und auch mein Schwester, meine Cousengs und Cousine sowie ich zum Teil groß geworden sind, ausgezogen weil sie gesundheitlich langsam den Haus mit Garten nicht mehr gewachsen sind. Außerdem sich mit dem Mehrwert im Geldbeutel gerne schöne letzte Jahre machen möchten. Sie sind nun in die nächste Großstadt gezogen in eine ein Etagen Bungalowähnliche Wohnung.
    Ich freu mich mit ihnen über diese Veränderung da sie einfach passender für die Gegebenheiten ist… Aber trotzdem bleibt ein großes Loch im Herzen wenn ich überlege dass ich nie mehr die Treppen zu diesen Haus hochlaufe wenn ich im Sommer zum Essen oder Kaffee eingeladen bin. Nie wieder in der kleinen Außensauna baden werde oder den miefigen Duft des alten Heubodens und dem alten Stall – den ich selbst nie von Tieren bewohnt gesehen habe, sondern als Abstellkammer und riesiges Spielparadies – riechen werde.
    Irgendwie fühlt es sich an als wurde ein Ort meiner Erinnerungen verkauft was einen etwas nostalgisch und melancholisch dalässt. Die Erinnerungen müssen wir halt sozusagen im Herzen bewahren, trotzdem ist es ein komisches Gefühl.

  5. helsingirl
    9. April 2015 / 20:40

    Hihi bemerke das ich Großstadt geschrieben habe, meine Kleinstadt. Vom Dorf in eine Klitzekleine Stadt – aber halt die Geschäfte des täglichen Lebens direkt um die Ecke. ^^

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