KW 18 | Die Eltern und das Alleine Leben

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Vor knapp 3 Jahren bin ich zu Hause aufgezogen und habe mich aufgemacht in das Abenteuer „Alleine Leben“. Ein halbes Jahr später wurde daraus das Abenteuer „ Mein Freund, die Katzen und ich leben alleine“. Ich bin flügge geworden und habe das heimelige Nest verlassen.

 Meine Familie besucht mich eigentlich selten bis nie, ich lebe schließlich 300 km entfernt und bin häufig genug selber daheim zu Besuch. Alleine zu leben ist für mich ein Luxus, auch wen ich mir selber hinterher putzen muss, ich habe alle meine Freiheiten, die ich benötige und brauche. Das zu Hause leben vermisse ich wirklich nicht. Auch wenn ich meine Eltern liebe ist es schön, keinen Wert mehr auf den Spruch „Solang du deine Beine unter meinem Tisch hast“ zu legen. Ich denke das können die meisten, die das Hotel Mama verlassen haben, verstehen. Ich finde das ist ein wichtiger Schritt in Richtung Erwachsen werden.

Und auch wenn ich mich manchmal so fühle, als wäre ich in der Lage mein Leben ganz gut zu handlen kommen meine Eltern vorbei und geben mir im metaphorischen Sinne eine Keule mit der Aufschrift „Du bist immer noch ein Kind“ auf den Kopf.

So mal wieder am Freitag passiert. Bevor meine Eltern kommen habe ich immer die Anwandlung alles blitzeblank zu putzen. Man möchte dann doch irgendwie Eindruck schinden. Aber ab dem Moment in dem meine Mutter durch die Tür tritt merke ich dass wir mit zwei unterschiedlichen Paar Augen gesegnet wurden. „Oh Kind wie siehts den hier aus“ Mein Gesichtsausdruck schreit HÄ!?. Sie findet Flecken, die ich nicht mal bei genauem hinsehen als solche erkennen würde. Kurz darauf plündert sie meinen Putzschrank und schrubbt mir die Wohnung, während sie mir erklärt wie man einen Herd korrekt putzt und welche 10 unterschiedlichen Putzutensilien ich dafür benutzen sollte. In meinen Augen war der Herd vorher zwar schon sauber, aber beschweren werde ich mich trotzdem nicht.

Denn auch wenn ich gerne alleine lebe, ist es schön sich nochmal wie ein Kind zu fühlen. Das Gefühl, dass uns gerade nicht 300km trennen und es stört mich nicht mal, dass sie gerade so tut als wüsste ich nicht wie man einen Herd putzt. Daheim wäre ich davon wohl noch genervt gewesen und jetzt ist es einfach nur schön und ich muss grinsen und helfe ihr.

Ich frage mich oft, ob Eltern je damit aufhören werden uns wie Kinder zu behandeln, denn genau das sind wir ja für sie. Wenn ich daran denke, wie sehr mich das früher genervt hat, will ich meinem Vergangenheits-Ich mal kurz die Leviten lesen, aber jetzt sehe ich das viel lockerer. Vielleicht verbessert das Ausziehen ja auch das Eltern-Kind-Verhältnis. Aber auf jeden Fall finde ich es schön manchmal immernoch das Mama-Papa Kind raushängen zu lassen, auch wenn sie dafür so tun als hätte ich in 2 Jahren noch nicht einmal gesaugt. Erwachsen werden ist zwar eine ganz spannende Sache, aber Kind Sein will ich dann doch nicht ganz aufgeben.

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8 Kommentare

  1. 3. Mai 2015 / 11:33

    Da ich nun schon so ein paar zwei, drei Jahre älter bin, kann ich dir versichern: es hört niemals auf, dass die Eltern ihr Kind als ihr Kind behandeln. Ich fürchte, selbst wenn das Kind siebzig und die Eltern 90+ sind, werden sie noch versuchen, ihr Kind ein wenig zu bevormunden…
    Liebe Grüße
    Salvia von Liebstöckelschuh

  2. 3. Mai 2015 / 12:45

    Ich lebe zwar noch nicht so lange alleine, aber ich kenne das Gefühl sehr gut. Da ich das jüngste Kind bin, wird sich das nicht mehr ändern…

  3. 3. Mai 2015 / 13:51

    Diesen “Du bist immer noch ein Kind” Satz höre ich auch immer wieder und ärgere mich auch häufig darüber, bin ja auch schon 2011 von daheim ausgezogen. Meine Mum war zwar auch schon öfters bei mir zu Besuch, aber putzen würde ich ihr nicht überlassen, bin da sehr eigen was “meinen” (unseren, wohne ja auch mit Freund & Katzen zusammen) Haushalt anbelangt. Allerdings habe ich auch einen großen Putzwimmel und putze 6-7 x die Woche, dass sie dann wahrscheinlich nichts finden würde, obwohl dass echt so ist, dass sie selbst da noch immer wahrscheinlich was finden würde 😀

    Grüsse ♥

  4. 3. Mai 2015 / 15:35

    Sehr schön geschrieben 🙂
    Ich bin damals von meinem Elternhaus direkt mit meinem Partner, der 2 Kinder hat, zusammengezogen und musste sehr schnell lernen einen Familien-Haushalt zu führen. Mittlerweile habe ich selbst einen erwachsenen Sohn, aber wenn meine Eltern uns besuchen kommen bin ich auch immer noch das Kind. (vor jedem Besuch gibt es auch bei mir eine völlig überflüssige Grundreinigung)
    Du siehst, es wird sich nie ändern 🙂

    LG Alex

  5. 3. Mai 2015 / 17:03

    Es hört wirklich niiiiemals auf. Bei mir ist da mein Vater eher die treibende Kraft, die bei jeder meiner Entscheidungen etwas zu meckern hat & meint er würde es besser wissen. Und meine Mutti hat nach dem Auszug vor nun auch schon gut 6 Jahren irgendwie dieses “wir haben jetzt ein super intimes und cooles Mutter-Tochter-Verhältnis” für sich entdeckt.

    Nur lustigerweise wird mir immer wieder gesagt, ich hätte eine Putzmacke, da alles so ordentlich wie in einer Musterwohnung aussehen würde 😀

  6. 3. Mai 2015 / 19:43

    Ich kenne das was du beschreibst auch nur zu gut. Den Spruch “Solange du deine Füße unter…” habe ich auch zur genüge gehört früher 🙂 Jetzt wohne ich *überleg* ja, schon auf jeden Fall 9 Jahre nicht mehr Zuhaus und davon 7 Jahr auch über 300 km weit entfernt von ‘Zuhaus’ von meiner Heimat. Mittlerweile bin ich total froh und habe mich auch damit abgefunden, auch einfach ‘raus aus allem’ zu sein und komplett auf mich gestellt zu sein. Jetzt kommt meine Familie ja sehr selten zu Besuch, aufgrund der Entfernung, aber früher hat mir meine Mutter immer gezeigt, wie man richtig bügelt (ich kann’s bis heute nicht 🙂 und auch wenn sie zu Besuch kam, dann sind erst mal die Putzlappen geflogen und es wurde gewischt und gewienert dass bloß alles glänzt. Man möchte ja doch auch zeigen “Ich kann das ganz alleine” 🙂

  7. Tanja
    3. Mai 2015 / 20:14

    Haha, das gleiche Problem hatte ich am Wochenende auch. Meine Eltern waren zu Besuch und meine Mutter und ich haben meinen eigentlich sauberen Herd geputzt. Aber ich muss zugeben, dass er jetzt mehr als nur sauber ist. Er glänzt richtig xD
    Liebe Grüße und Daumen hoch für deine Sonntagsposts!

  8. 6. Mai 2015 / 21:53

    Meine Mutter kann es auch nicht lassen mich zu bemuttern. 😉
    Wenn ich krank bin, fragt sie immer, ob sie mir eine Zitrone oder frisches Obst vorbei bringen soll, obwohl mein Mann sich wirklich gut um mich kümmert, wenn ich mal flach liege. 😉
    Sie fragt auch regelmäßig, ob ich die Dunstabzugshaube sauber gemacht habe (oder ob sie mal vorbei kommen soll). Einerseits bin ich dann etwas genervt (weil sie mir nicht zutraut, dass ich allein zurecht komme), andrerseits muss ich darüber schmunzeln.
    Mütter werden das Mutter sein wohl nie richtig ablegen können. 🙂

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