KW 21 – Ein Realitätsquerschnitt

kw21

Ich sitze in der Hochschule. Es ist Pause und ich öffne meinen Blogordner. Die Bilder sind schon fertig nur noch die Texte müssen geschrieben werden. Also öffne ich die Bilder lade sie hoch und überlege mir einen Text. Eine Freundin schaut mir über die Schulter und lacht.

Ich schaue sie fertig an. „ Ja Anni auf deinen Blogbildern siehst du immer so schick aus und hier.. naja hier eben nicht“ Ich nehme anderen solche Aussagen nicht übel, denn sie haben Recht. In den Vorlesungen sitze ich zumeist ungeschminkt mit Augenringen bis zu den Mundwinkeln. Das Outfit ist on the spot. Und mit on the spot meine ich bequem – ja fast schon etwas gammlig. Bei meinen Outfitbildern und meinem Alltags-Studiums-Gesicht könnte man von zwei unterschiedlichen Personen ausgehen und nichtmal meine Stammblogleser würden mich erkennen. Und glaubt mir das ist die Wahrheit.

Mein Blog ist einfach nur ein Ausschnitt meines Lebens, bei dem ich entscheiden kann an was ich euch teilhaben lasse und an was nicht. Ich entscheide wie ich mich zeige und wie eben auch nicht. Das zählt nicht nur für mein Aussehen sondern auch für persönliche Dinge oder Wohnungseinblicke. Also für alle die bei manchen Wohnunsposts denken : Wow so sauber und ordentlich. Hier kommt die Entwarnung meinerseits. Ich bin ein ordentlicher Mensch, trotzdem räume ich für solche Bilder vorher auf. Man könnte manchmal sogar sagen, dass mein Blog eine kleine „Alltagslüge“ ist. Aber ich denke jeder der in der Lage soweit hinter einen Blog , einen Youtube Channel oder einen Instagram Account zu schauen, um zu realisieren, dass nicht jeder Tag im Leben so durchgestylt ist wie so manches Bild auf unseren Accounts.

Da wird so lang an der Deko geschoben bis es auf dem Bild so aussieht wie es mir gefällt. Ich verfälsche einfach ein wenig die Realität und lege sie etwas weiter aus. Teile davon sind echt, andere sind eben für Blogbilder gestellt. Aber das ist ja auch normal würde ich an dieser Stelle mal behaupten. Mir fällt auf jeden Fall kein Blogger ein, der sich regelmäßig frisch nach dem Aufstehen zeigt oder munter seine Magen-Darm Grippe dokumentiert. Manche Dinge müssen einfach nicht auf den Blog. Ein kleiner feiner Realitätsquerschnitt also.

Aber manchmal fällt es mir selber auf wie verwirrend das sein kann. Vorallem wenn ich morgens durch Instagram scrolle und alle Mädels schon perfekt gestylt vor ihrem mit einem Zimtmandala verziertem Oatmeal sitzen, auf dem wiederum die Himbeeren akkurater angeordnet sind als ich meinen Eyeliner ziehen kann. Bei sowas muss ich mir immer wieder in Gedächtnis rufen, dass manche Bilder einfach gestellt sind und bei vielen sicher nicht jeder Morgen so aussieht. Und nachdem man das Oatmeal umgerührt hat, sieht es eh aus wie schonmal gegessen. Trotzdem kann sowas gerne mal dazu führen, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme. Auch wenn bei manchen tatsächlich jede Amtshandlung so perfekt ist, muss ich mir manchmal immer wieder klar machen, dass es manchmal eben doch nur ein Ausschnitt aus dem Leben ist an dem ich mich nicht Messen muss

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7 Kommentare

  1. 24. Mai 2015 / 23:14

    Warum zeigt man dann einen Ausschnitt aus seinem Leben, der nicht stimmt?
    In dem Sinne zeigt man ja keinen Ausschnitt aus seinem Leben, sondern aus einem Leben.

    Ich hab diesbezüglich schon mal das Argument gehört, dass es das ist was die Follower sehen wollen.
    Also ich krieg auch auf hingeklatschte Speisen und verkohlte Gebäcke meine Herzchen.

    Da poste ich lieber ein, zwei Bilder weniger auf Instagram als irgendwem ein Hochglanz-Leben zu servieren.

  2. 25. Mai 2015 / 21:02

    Puh… ich glaube, mit diesem ewigen Posten von durchgestylten Aufnahmen, die wie ganz lässige und natürliche Schnappschüsse aussehen sollen, tun wir uns alle keinen Gefallen. Dieses dauernde Drapieren und Anrichten und Filterdrüberlegen und haste nicht gesehen… letztlich sehen die ganzen Blogs und Accounts auf Instagram dadurch halt alle einfach wahnsinnig gleich aus. Wahnsinnig perfekt und makellos, aber wahnsinnig austauschbar… und wahnsinnig langweilig.
    Augenringe ftw! Anarchie der Soßenkleckse und angebrannten Kekse! 😀

  3. 25. Mai 2015 / 22:13

    Du bist mir echt symphatisch 🙂

    Denn auch ich schaue mir häufig diese Instagramaccounts und Blogs an, bei denen alles so schön dekoriert ist und bei manchen Instagramaccounts ist das bei jeder Mahlzeit so. Da zaubert man aus einem Obstsalat einen Igel und ein Oatmeal gleicht einem künstlerischem Werk. All das wird es bei mir nie zu sehen geben, ich muss mich schon bemühen, ein Foto vom fertig gekochten Essen zu machen, bevor es in meinem Magen landet und mir ist es völlig egal, ob die Beilage schön dekoriert ist oder ein Muster ergibt, die Farben harmonieren… hauptsache es schmeckt! 😀

    Outfittechnisch zeige ich mich, sofern ich mal etwas zeige, wirklich das, was ich trage und das besteht meist total öde aus Tshirt, Jeans und Sneakers, ohne jegliche Accessoires. 😀

    Über ein Foto deines “Gammeloutfits” würde ich mich dennoch freuen (die Neugierde ist nach deinem Text einfach zu hoch :D) 🙂

    Grüsse ♥

  4. 26. Mai 2015 / 20:22

    Ein sehr erfrischender Artikel, bei dem ich von ganzem Herzen schmunzeln musste! Ich staune ebenfalls sehr oft über diese perfekten Bilder in manchen Blogs, die auch den gängigen Hochglanzmagazinen entsprungen sein könnten. Und mir ist nur allzu bewusst, dass dies nicht das wahre Leben ist. Ich selbst sitze sehr oft vollkommen ungeschminkt vor meinem Rechner und blogge über Beauty … Schlicht, weil ich meine Haut auch mal “pur” spüren möchte und mich nur dann anmale, wenn ich auch wirklich Lust darauf habe.

    Wir alle sind doch – zum Glück – immer noch echte Menschen, keine Kunstprodukte. Schön, dass du das ähnlich empfindest und es dir auch mal gönnst, ein bissl gammlig in der Uni zu sitzen – das macht dich liebenswert!

    Herzliche Grüße

    Sissi

  5. 27. Mai 2015 / 12:27

    Total auf den Punkt und immer wieder wichtig, für die eigene Einstellungen. Im Web zeigt sich jeder selbst am liebsten von der positiven Seite. Aber selbst in der Realität zeigt man nicht immer alles. Für mich ist das auch okay, nur darf man sich nicht schlecht fühlen, wenn man den Vergleich mit der geschönten Darstellung konfrontiert sieht.
    Ich mag dich gammlig 😉

  6. 30. Mai 2015 / 10:05

    Du sprichst aus, was ich auch ständig denke, wenn ich durch instagram und die Bloggerwelt klicke. Alles so hübsch und durchgestyled. So können die doch nicht tagtäglich leben oder? Es beruhigt mich zu lesen, dass es bei anderen “hinter dem Blog” auch ganz normal und ungestyled aussieht. 😉
    Liebe Grüße
    Ulrike

  7. 27. September 2015 / 13:48

    Hey,

    das denke ich mir ja auch oft genug bei YouTube Videos, die sich um die Morgenroutine drehen.
    Keiner von denen steht doch wirklich JEDEN Morgen so auf. oô
    Über ein “Gammel Outfit” von dir würde ich mich auch freuen. Hast mich genauso neugierig gemacht, wie Kleinstadtprinzessin 😉

    Melanie

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