KW 23 // Schulzeit und anderes

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Ich schlafe schlecht. Oder besser gesagt ich schlafe schlecht ein und das schon seit ich denken kann. Wenn mein Freund und ich abends ins Bett gehen lese ich locker noch eine halbe Stunde bis Stunde, während er mir von der Seite schon lange ins Gesicht schnarchelt. Wenn ich dann endgültig das Licht ausschalte kann ich damit rechnen locker noch eine halbe Stunde alleine mit meinen Gedanken und mir zu verbringen.

Wenn ich dann so wach da liege und gegen die Decke starre in der Hoffnung, dass die Augen zufallen, denke ich über so einiges nach. Über Gott und die Welt, alte Streitigkeiten und welche coolen Antworten ich nie gesagt habe, allgemein denke ich viel über Vergangenes nach. Schwelge ein bisschen in Erinnerungen und am Nächsten Tag erinnere ich mich beinahe nicht mehr daran, das trifft vorallem auf meine Schulzeit zu.

Vor 5 Jahren hatte ich mein Abitur in der Tasche und habe aus meiner Schulzeit genau drei Dinge mitgenommen: Meine beste Freundin, das Wissen, dass ich nie wieder eine lineare Gleichung lösen muss aber es könnte wenn ich müsste und die Tatsache, dass Photosynthese echt mega wichtig ist.
Und ansonsten? Nun ja außer diversem Wissen, dass ich mit Sicherheit nie wieder brauche, gibt es da nicht viel. Die verbleibenden Freundschaften sind in den letzten 5 Jahren abgeflaut und haben sich aufgelöst. Ich erinnere mich gern an die Zeit zurück, da es einfach zu viele witzige Geschichten und Erlebnisse gibt, aber das war es auch schon. Ich habe absolut kein Bedürfnis diese Zeit wieder aufleben zu lassen. Was dazu sorgt, dass ich mich aktuell wie hin und hergerissen fühle, denn letzte Woche erreichte mich die Einladung zum Ehemaligen Treffen in meiner Heimatstadt.

Aus anfänglicher Freude wurde plötzlich ein Gefühl des Hin-und-Her gerissen sein. Versteht ich nicht falsch, ich glaube so ein Tag kann sicher witzig sein, aber schlussendlich frage ich mich was es mir bringt, wenn ich außer zu meiner besten Freundin zu niemand mehr einen nennenswerten Kontakt habe. Es ist ein Treffen des Sehens und Gesehen werden.

„Was macht die inzwischen eigentlich?“ – „Hast du schon gehört, die hat ihr Studium schon wieder abgebrochen“ – „Wie du machst gerade GAR NICHTS?“ 

Ich nennen es nun einfach mal einen Schwa*zvergleich unter Ehemaligen. Wer hat eigentlich was erreicht, wer steht noch ganz unten und überhaupt. Um ganz ehrlich zu sein, habe ich darauf genauso viel Lust wie mich von einer Klippe zu stürzen. Man könnte meinen ich übertreibe, aber über Dritte habe ich erfahren, dass eben diese Diskussion auch so schon lange im Gang ist.
Auf diversen Social Networks werden schon Stimmen laut, die nach einem reinen Stufentreffen schreien. Ich wundere mich nicht groß, da ich schon immer zu denen gehörte, die sich bei sowas eher am Rand halten. Trotzdem frage ich mich nach der Notwendigkeit, man kann doch mal selbstständig das Handy in die Hand nehmen, eine Nummer wählen und etwas ausmachen.
Naja ich lasse das einfach so im Raum stehen, da es mir schlussendlich ja selber überlassen ist ob ich zu diesem Treffen gehe oder nicht. Aber wie ich mich kenne werde ich dem gesellschaftlichen Druck nachgeben und dort hingehen nur um danach wahrscheinlich festzustellen, dass es sich so gar nicht gelohnt hat.

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7 Kommentare

  1. 8. Juni 2015 / 17:19

    Diese Gedanken kann ich nur allzu gut verstehen. Ich habe noch Kontakt zu etwa drei Menschen aus meiner Abistufe. Von dem Rest würde ich ein paar Leute gern mal wiedersehen. Und sonst? Sonst würde es mir irgendwie negative Gefühle verursachen. Ich mag solche ständigen Vergleiche, wer was erreicht hat, wer wo studiert hat und wie lange im Ausland war auch überhaupt nicht. Ich muss mich gar nicht verstecken und trotzdem kann ich auf ein solch gezwungenes Treffen gut verzichten.
    Mein Abi ist jetzt acht Jahre her – vielleicht dann mal zum 20jährigen 😉

  2. Anni
    Autor
    10. Juni 2015 / 9:16

    Hallo

  3. 11. Juni 2015 / 15:49

    Ich bin bisher auch nie zu einem Klassentreffen gegangen. Ich war damals aber auch ganz froh, dass die Schulzeit zu Ende war und hatte auch kein Interesse daran jemanden wieder zu sehen. Mit dem Abschluss ist die Zeit für mich einfach vorbei. Da schaue ich doch lieber nach vorne 😉

  4. 12. Juni 2015 / 15:24

    Ich bin auch nie zu einem Klassentreffen gegangen und habe auch nicht vor dies zu ändern. Ich hatte damals schon gerne meine Ruhe vor den Zicken, Tussen und Proleten (machten etwa 80% der 120 Leute aus) und jetzt ist es nicht anders 🙂

  5. 13. Juni 2015 / 21:08

    Ja, Klassentreffen…
    Ich habe zu allen, zu denen ich Kontakt haben möchte, immerhin eine Facebookfreundschaft. Keine Handynummern (ich habe schon zu meiner Schulzeit, die liegt auch schon sechs Jahre zurück, nur ungern meine Handynummern rausgegeben), keine Adressen. Wenn ich ehrlich bin, reicht es mir, einmal am Tag passiv durchzuchecken: Okay, alle haben was gepostet. Leben also noch und es geht ihnen gut.
    Bei einem Klassentreffen denke ich auch, dass es auch bei uns zu dem von dir angesprochenen Vergleich kommen würde. Und da alle Menschen verschiedene Werte haben… “Was? Du hast immer noch keine Familie gegründet?” (irgendwie haben fast alle Mädels aus meiner Stufe inzwischen mindestens ein Kind, sind verheiratet oder wenigstens verlobt) und was denen alles einfallen würde :D.
    Ich habe aber die Ausrede, dass ich inzwischen 400 km von meinem Abiturort entfernt wohne – und nicht für ein Klassentreffen anreisen kann.
    Mir reicht das virtuelle Klassentreffen. Immer offen, von überall erreichbar. Und ich suche mir selbst aus, mit wem ich rede 🙂

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