Nische oder nicht Nische?

Ich blogge nun schon wirklich lange und konnte zusehen wie sich die Blogszene – auf jeden Fall die in meiner Filterblase – verändert hat. Ich habe das immer nur am Rande wahrgenommen und beobachtet, aber was mir zur Zeit immer wieder auffällt ist das Wort “Nische”.

Als ich damals mit Bloggen begonnen habe, waren meine Blogbeiträge – charmant ausgedrückt – Müll, wenn man bedenkt was heute so als Blogbeitrag zählt. Man hat in einem 10-Zeiler über seinen Tag erzählt, dazu fünf schlechte Handybilder und e´voila man hatte einen Blogbeitrag. 300 Wörter um das Mindestmaß an SEO zu erfüllen? Das gab es damals noch nicht in der Lifestyle Ecke, das Wort SEO war etwas für Unternehmen, aber doch nicht für uns Blogger. Täglich bloggen war so also gar kein Thema mehr, heute kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. Aber vor einigen Jahren gab es aus so einen Beitrag zehn Kommentare und fünf neue Follower. Aber alles was mit Medien zu tun hat, ändert sich nunmal über die Zeit und das ist meistens auch eine gute Sache.

In den folgenden Jahren startete dann nach und nach die Professionalisierung von Blogs. Aus Smartphone Bildern wurden professionelle Fotos mit der Spiegelreflexkamera, Beiträge wurden länger, wurden gegliedert und lieferten sinnvolle Informationen kombiniert mit Persönlichem. Inhalte wurden monetarisiert, SEO und SEM, sowie ein großer Fokus auf Social Media etablierten sich immer mehr. Eigentlich eine gute Entwicklung, so eine Entwicklung fordert einen selber auch heraus, sich weiterzubilden und zu entwickeln. Es zeigte sich schnell wer bei dieser Entwicklung mit halten konnte und wollte, und wer nicht.

Aber in letzter Zeit höre ich immer wieder einen Satz “Ohne Nische wirst du nie Erfolg haben”. Ich mein die Erfolgs-Komponente ist bei mir gar keine Diskussion mehr, der Zug ist abgefahren, trotzdem habe ich mir darüber Gedanken gemacht, als ich das erste Mal davon gelesen habe.

Bis ich das erste Mal davon gelesen habe, war mir gar nicht klar, dass Nischenblogs so ein großes Thema sind, eben Blogs, die nur ein  bestimmtes Unterthema bedienen. Danach habe ich mal kurz einen kritischen Blog auf meine eigenen letzten zehn Beiträge geworfen. Ein persönlicher Rückblick, ein Beauty Review, ein kleiner Reisebericht und Schriftempfehlungen. Von Nische nichts zu sehen, eher eine bunte Mischung aus allen möglichen Themen.

Das hat mich irgendwie frustriert, daraufhin habe ich mich lange mit meinem Blog beschäftigt und habe versucht aus allen meinen Themen, eine Nische für mich herauszukristallisieren. Und um ehrlich zu sein, war ich nach diesem Brainstorming noch frustrierter als zuvor. Jedes Thema, dass ich gestrichen habe, hat dafür gesorgt dass meine Mundwinkel weiter nach unten hängen, weil es mir doch irgendwie wichtig war. Ich habe mich aufgeführt, wie beim Kleiderschrank ausräumen “Nein, das muss ich behalten, irgendwann pass ich da wieder rein“. Es war fast unmöglich für mich, auf etwas zu verzichten und am Ende wurde mir klar, dass ich das auch gar nicht möchte.

Mein Blog war für mich schon immer wie ein großes Tagebuch, in dem es per se nur um mich, meine Gedanken und Interessen geht. Eine Art kleiner Spiegel meines Lebens, wie soll ich da denn bitte einfach Sachen streichen?

Alle Themen, die auf meinem Blog landen, sind Teil meines Lebens und meine Hobbies. Dinge, die ich gerne mache oder mit denen ich mich gerne beschäftige. Manchmal fliegt etwas raus, weil ich mich nicht mehr damit beschäftige. Manchmal kommen neue Themen dazu, wie letztes Jahr die Bücher. Ich habe mich so unwohl damit gefühlt, bewusst auf eines der Themen zu verzichten. Schnell habe ich gemerkt, dass es einfach daran liegt, dass ich meine Leser an meinem alltäglichen Leben teilhaben lassen will und das ist eben bunt und querbeet, nicht auf ein Thema beschränkt. Manchmal bewundere ich die Nischenblogger total, weil sie sich so direkt auf etwas festlegen können, ich kann es leider nicht. Wenn das bedeutet, dass ich auf Erfolg, Reichweite und Kooperationen verzichten muss, dann ist das eben so. Aber stimmt das wirklich?

Es gibt massenhaft erfolgreiche Nischenblogs und das aus gutem Grund, sie bedienen einfach genau ihr Feld, haben eine große Expertise und im Normalfall findet man bei ihnen alle Infos zu einem Thema. Ich folge unheimlich vielen Nischenblogs, weil ich sie extrem praktisch finde und immer wieder froh darum bin. Aber ganz oberflächlich zu sagen, dass man nur als Nischenblog Erfolg haben kann, finde ich einfach falsch. Ich kann nur für mich sprechen, aber Nischenblogs lese ich wenn ich gezielt etwas brauche, aber die persönlichen Querbeet Blogger, die lese ich unterwegs, ich schaue immer wieder rein was bei ihnen so passiert, weil ich mich mit bunt gemischten Themen einfach mehr identifizieren kann. Und viele davon, sind ebenso erfolgreich.


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17 Kommentare

  1. 22. April 2018 / 15:07

    Ehrlich gesagt – mögen Nischenblogs noch so erfolgreich sein, als Leser finde ich sie unendlich langweilig. Sobald ich die Info die ich suche gefunden habe, ist der Blog damit für mich abgehakt. Selbst wenn das Thema mich eigentlich interessiert, bieten mir diese Blogs keinen Anreiz zum Folgen, weil sie in gefühlt 95% der Fälle keine Persönlichkeit haben und versuchen das wett zu machen, indem sie sich nur auf das Thema versteifen bei dem sie “Experte” sind. Dadurch werden solche Blogs meines Erachtens extrem einseitig und damit langweilig.
    Vielleicht bin ich da zu Oldschool, weil ich schon seit so vielen Jahren im Internet unterwegs bin, aber für mich muss ein Blog bzw. die Person dahinter auch sympathisch sein, damit er ein Follow von mir bekommt und dazu gehört eben auch, dass ich mehr Seiten einer Person sehe als nur deren Mode/Gaming/Aquaristik/was auch immer Nischenthema des Blogs ist. Abwechslung tut in dem Fall gut!

    Liebe Grüße!

    • Anni Hydrogenperoxid
      Autor
      23. April 2018 / 11:54

      Mir geht es da ganz ähnlich wie dir. Oft lese ich Blogs, weil mir die Person dahinter auch sympathisch ist. Das ist für mich untrennbar miteinander verbunden. Daher folge ich unpersönlicheren Blogs eher selten, bis nie :/

  2. 22. April 2018 / 19:50

    Liebe Anni,
    bitte lasse deinen Blog genau so, wie er ist! Ich liebe deinen bunten Themenmix, halte mich sehr oft an deine Buchempfehlungen und lese einfach sehr gerne bei dir! Dein Blog ist einer der wenigen, den ich schon seit Ewigkeiten folge und viele meiner “Ausmist”-Aktionen locker überstanden hat. Also bitte, bleib so wie du bist!
    Liebe Grüße, Ina

    • Anni Hydrogenperoxid
      Autor
      23. April 2018 / 11:53

      Vielen lieben Dank! Das hört man doch gerne, vor allem an Tagen an denen man sich selbst etwas unsicher ist.

  3. 23. April 2018 / 16:09

    Danke für deinen Tipp ! Ich mag deine Beiträge sehr !! 🙂

  4. 23. April 2018 / 16:47

    Da bin ich ganz deiner Meinung! Ich habe schon so oft den Ratschlag bekommen ich solle mich doch auf ein Thema reduzieren und dann würde ich sicher erfolgreicher sein … So ein Blödsinn! Ich wäre absolut unglücklich wenn ich gezwungen was streichen müsste und es sich nicht von selbst wegentwickelt würde.

    liebe Grüße,
    Sonia

    http://www.yellowgirl.at

  5. 23. April 2018 / 16:50

    das Thema hast du echt toll beleuchtet meine Liebe! und ich kann mich auch nur anschließen … irgendwie bekommt man am Anfang wohl immer den Rat, man solle sich auf ein bestimmes Thema konzentrieren, aber ganz ehrlich: wo bleibt denn da der Spaß! sowohl als Blog-Autorin finde ich das super langweilig und als Leserin ginge mir das genauso 😉

    liebste Grüße auch,
    ❤ Tina von liebewasist.com
    Liebe was ist auf Instagram

  6. 23. April 2018 / 16:52

    Ich denke, dass einen guten Blog vor allem die Persönlichkeit dahinter ausmacht. Aber ein Blogger muss sich auch weiterentwickeln können und sich an der ein oder anderen Stelle auch mal hinterfragen können. Meistens bleibe ich bei den Blogs, wo ich die Liebe hinter den Beiträgen spüren kann. Deiner ist so einer. Ich schau gerne bei dir vorbei.

    Liebe Grüße,
    Mo

  7. nici
    23. April 2018 / 18:03

    Ob nische oder nicht, es kommt immer darauf an, wie einer schreibt und was er schreibt. Selbst bei einem Beauty-Blog oder Buch-Blog lese ich nicht jeden Beitrag. Einfach, weil einem nicht alles interessiert. Ich denke einfach, dass jeder für sich den mittemaß finden soll und nur so, kann er seine Ideen richtig einfließen lassen.

    Alles liebe

  8. 23. April 2018 / 18:07

    Hallo meine Liebe,

    Ich glaube der Erfolg nicht von einer bestimmten Nische ab, sondern vom richtigen Publikum … und natürlich davon, ob Du liebst, was Du tust! VIel Freude weiterhin beim bloggen!

    Ganz herzliche Grüße und einen schönen Wochenstart wünsche ich Dir!

    Verena.

  9. 23. April 2018 / 18:17

    Ich finde ein Blog muss Natürlichkeit und Persönlichkeit zeigen. Gekünzelte Blogs mag ich gar nicht und regen auch nicht zum weiterlesen an.
    Dein Blog ist super!

  10. 23. April 2018 / 18:22

    Hallo Anni,

    ein toller Beitrag mit waren Worten… ich selbst betreibe auch keinen Nieschenblog… um ehrlich zu sein fand ich diese nie gut… irgendie langweilig immer über die gleichen Themen zu schreiben. Ein Blog sollte vielfältig sein und immer wieder spannend, da ist eine Niesche meiner Meinung nach zu wenig!!

    Bleib also wie du bist! 😉

    Liebe Grüße

  11. 23. April 2018 / 18:38

    Liebe Anni,

    ich verstehe dich gut! Ich blogge auch querbeet über alles was mich bewegt und interessiert. Was die Themen Breite betrifft bin ich definitiv kein Nischenblogger … aber ich Blogge für Frauen 40+ und da bin ich wiederum in einer Nische, in der es in Österreich nur ganz wenige gibt. Ich bin also beides ;-).

    Ich finde jeder soll sein Ding machen … es gibt kein Rezept das zu allen passt. Gerade die Vielfalt macht es doch interessant.

    lg
    Verena

  12. 23. April 2018 / 18:53

    Nischenblogs hin oder her … meiner Meinung nach sollte man darüber bloggen wofür man sich interessiert und was einem Spaß macht.
    Wenn es der nächste Modeblog wird, dann ist es so und sicherlich nicht schlimm! 🙂
    LG und einen schönen Wochenstart,
    Sarah <3

  13. 23. April 2018 / 19:47

    Du hast bestimmt einen Blick und keinen Blog auf deine Beiträge geworfen. 😉 Wieso muss man sich in eine Form pressen lassen? Mein Blog war mal ein reiner Produkttestblog, in der Übergangsphase ein allerleiblog und jetzt schreibe ich schwerpunktmäßig über Reise, Fotografie und Bloggingtipps. Wenn ich irgendwann über Bücher schrfeiben will, dann mache ich das. OK, habe ich sogar schon! UNd Film- und Serienreviews. Spaß soll es machen, soalnge du nicht davon leben musst, dann muss es vor allem deinen Lesern und Kunden Spaß machen…

  14. 27. April 2018 / 11:42

    Weißt du was? Du bist deine eigene Nische! 🙂
    Ich hab das auch schon oft gelesen… “Finde deine Nische und du wirst mehr Erfolg haben!” Aber mir geht es wie dir! Ich will mich nicht einschränken und habe meinen Blog ja ganz bewusst so breitgefächert gehalten von Anfang an! Damit quasi für jeden was dabei ist und vor allem, damit ich meine breitgefächerten Interessen ausleben und teilen kann!

  15. 4. Juni 2018 / 12:33

    Ich blogge auch etwas länger, zwar nur 5 Jahre, aber selbst in denen habe ich schon so viele Veränderungen der Szene gesehen. Es ist manchmal verrückt, was wir früher gepostet haben. Und jetzt? Benutzt man das Wort Blog, wird sofort damit assoziiert, dass man “BERUFSBLOGGER” ist, damit Geld verdient, weil man Werbung macht. Nichts gegen Werbung. Ich kann gut entscheiden, ob ich das Produkt dieser oder jener Bloggerin wirklich kaufen will. Allerdings wird mir eine Meinung entgegen gebracht, die nicht zu meinem Denken passt. Ich blogge nicht aus Erfolg, oder Likes oder, was auch immer es bedeutet es machen zu wollen. Ich blogge als Tagebuch. Und warum das öffentlich ist? Ganz einfach, ich will andere Leute kennen lernen. Menschen, die sich mit Kunst auseinandersetzen wollen. Diese Menschen inspirieren mich. Entweder mit ihrer eigenen Kunst oder ganz einfach mit ihren Gedanken. Sie sind alle Menschen. Deshalb liebe ich auch Blogs, die alles mischen von Werbung über bestimmte Produkte, zu Dating und Beziehungstipps, zu intensiven persönlichen Beiträgen.
    Schade ist nur, dass eben auch diese Mischung aus Instrument genutzt wird, um Geld zuverdienen, was manchmal den Anschein macht, dass bestimmte gerade persönliche Einträge nur ein Aufspringen auf den Hypetrain ist, wie die Jugend so schön sagen würde.

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